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Endgültiger Freispruch mit Schönheitsfehler für Andreotti

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Endgültiger Freispruch mit Schönheitsfehler für Andreotti

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Italiens siebenmaliger Ministerpräsident Giulio Andreotti ist nach jahrelangem Rechtsstreit um seine Mafia-Kontakte endgültig vor Gericht reingewaschen worden. Jedoch bleibt ein Schatten auch über diesem Urteil in letzter Instanz.

Die Richter des Kassationsgerichts in Rom bestätigten die Freisprüche zweier voriger Instanzen, aber auch, dass über Andreottis Kontakte zur Mafia vor 1980 wegen Verjährung nicht geurteilt werden könne. Und für jene Zeit hatte ihm die Justiz zuvor freundschaftliche Verbindungen zur Cosa Nostra bescheinigt. Der 85jährige zeigte sich dennoch mit dem Urteil zufrieden: “Ich bin froh darüber, dass ich das Ende dieser Prozesse noch erlebt habe – etliche Leute hätten es lieber gesehen, dass ich vorher ablebe – aber hier bin ich!” Andreotti war vorgeworfen worden, als Gegenleistung für Wählerstimmen angeklagte Mafia-Paten begünstigt und einem obersten Boss ehrerbietig einen Wangenkuss gegeben zu haben. In einem anderen Fall war er angeklagt, einenJournalisten von der Mafia beseitigt haben zu lassen. Auch hier wurde er freigesprochen. Die Zeugen waren fast ausschließlich Mafiosi gewesen. Der Freispruch in letzter Instanz ist trotz des Schönheitsfehlers eine Genugtuung für den strenggläubigen Senator auf Lebenszeit, der vielen als eine der Frontfiguren der italienischen Schmiergeldrepublik gilt.