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9. November, Schicksalstag der deutschen Geschichte.

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9. November, Schicksalstag der deutschen Geschichte.

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1938 “Reichskristallnacht”. 1989 Mauerfall – am Ende also ein positiver Tag für die Deutschen. In Berlin legt der regierende Bürgermeister in der Bernauer Straße am letzten erhaltenen Mauerstück Blumen nieder. Und in allen Medien laufen wieder die Bilder der Pressekonferenz, auf der Günter Schabowski doch nur über die erste Tagung des SED-Zentralkomitees nach dem Sturz von Erich Honecker berichten wollte. Die ganze DDR diskutierte damals über ein neues Reisegesetz. Was er dazu sagte, veränderte den Lauf der Geschichte:”…eine Regelung beschlossen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.”

Die Berliner gleich um die Ecke nahmen Schabowskis Worte wörtlich und rannten los.28 Jahre Grenzregime wurden einfach überrannt. Knapp elf Monate später war “Deutschland, einig Vaterland”. Die Montags-Demos hatten einst den SED-Staat zum Wanken gebracht. 15 Jahre später taucht ihre Losung “Wir sind das Volk” wieder auf den Straßen auf. Vor allem auf ostdeutschen Straßen, wo die Leute immer noch auf die von Bundeskanzler Kohl versprochenen “Blühenden Landschaften” warten. Manche Ostdeutsche wollten nicht warten – sondern lieber die neue Freiheit für eigene Initiativen nutzen, so wie die Journalistin Rosemarie Gratz, die jetzt in Frankreich arbeitet: “Die Leute im Osten haben ihre soziale Sicherheit verloren und ihre Träume vom ‘Goldenen Westen’ dazu. Sie haben die Angst vor der Sicherheit – man die Stasi nannte – eingetauscht gegen die Angst vor der Unsicherheit, der sozialen. Und sie erleben, dass ihre ‘Brüder und Schwestern’ im Westen sie gar nicht mehr lieb haben, wenn sie zu Konkurrenten werden auf dem gemeinsamen Arbeitsmarkt.” Ihr Kollege Marc Rohde, aufgewaschen im Westen, sieht das ganz anders:” Was ganz viele Westdeutsche ärgert, das ist, dass die Ostdeutschen sich sehr viel beschweren, dass sie jammern, aber auch diese sogenannte ‘Ostalgie-Welle’, also, dass ganz viele Ostdeutsche der Meinung sind, was früher in der DDR passiert ist, war toll und unsere Produkte waren ja auch viel besser als eure westdeutschen Produkte.” Es wächst eben sehr langsam zusammen, was zusammen gehört. Mit Geld allein ist eine generationslange Trennung wohl nicht zu überwinden, manche sagen, das werde erst die von der Vergangenheit unbelastete Generation schaffen.