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Was kommt nach Jassir Arafat?

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Was kommt nach Jassir Arafat?

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Die palästinensische Verfassung verlangt Neuwahlen innerhalb von 60 Tagen, wenn der Präsident sein Amt nicht mehr ausüben kann. Soweit ist es offensichtlich, denn an diesem 10.November 2004 hat – wie im Grundgesetz vorgesehen – der ansonsten machtlose Parlamentspräsident Rauhi Fattu vorübergehend die Amtsgeschäfte übernommen.

Gleichzeitig aber verlautet, das Grundgesetz könne in diesem 60 Tagen auch so geändert werden, dass danach der PLO-Vorsitzende Mahmud Abbas Arafats Nachfolge antritt. Und was wird aus Achmed Kureia. Dem aktuellen Ministerpräsidenten soll Arafat vom Krankenbett aus Vollmachten in den Bereichen Sicherheit und Finanzen übertragen haben. Gemunkelt wird auch von einem politischen Testament zugunsten von Faruk Kaddumi, dem Chef der politischen Abteilung der PLO. In der Not haben sich die verfeindeten palästinensischen Brüder an einen Tisch gesetzt, alle 13 Organisationen. Arafat hat es bewusst vermieden einen Nachfolger zu bestimmen – so ist das aktuelle Chaos unvermeidbar. Der Vertreter der radikalen Gruppe “Islamischer Dschihad” spricht von der gemeinsamen Sorge darum, welches Bild die Palästinenser jetzt der Welt bieten – von ihrem Bemühen, sich als ‘einiges Volk’ darzustellen. Einer der Hamas-Führer legt Wert auf die Feststellung, jetzt dürfe auf keinen Fall eine Palästinenser-Fraktion allein die Verantwortung auf ihre Schultern laden. Sprich: die Macht übernehmen.

Dabei werden gerade aus den Kreisen der Hamas Machtansprüche laut, denn ihr sind viele der jungen, von der Vetternwirtschaft der alten Garde enttäuschten Palästinenser zugelaufen. Einen anderen Vertreter der jüngeren Generation hatte Arafat noch selbst kaltgestellt. Mohammed Dahlan steht mit seinen 42 Jahren für die Generation der zweiten Intifada. Für die massenhaft arbeitslosen jungen Leute, die keinen Zugang zum inneren Zirkel um den “großen Führer” haben, wo bisher die Pfründe verteilt wurden.