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Wahlen in der Ukraine: Pro-europäischer Juschtschenko holt auf

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Wahlen in der Ukraine: Pro-europäischer Juschtschenko holt auf

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Hochspannung in der Ukraine nach Schließung der Wahllokale. Die siegesbewusste Opposition hinter Präsidentschaftskandidat Viktor Juschtschenko will erste offizielle Resultate der Wahlen vom Sonntag nicht anerkennen. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben sich etwa 10 000 Anhänger Juschtschenkos versammelt. Sie tanzen, singen und feiern. Nach Hause gehen wollen sie erst, wenn ihr Kandidat auch offiziell gesiegt hat.

Bisher wurden mehr als zwei Drittel der Stimmen ausgezählt. Danach liegt der europa-orientierte Juschtschenko nahezu gleichauf mit dem Moskau-treuen Kandidaten von Präsident Leonid Kutschma, Viktor Yanukovich. Erste Hochrechnungen hatten den Oppositionskandidaten noch mit mehr als 10 Prozentpunkten in Führung gesehen. Die Wahlkommission hat bis zum 6. Dezember Zeit, das endgültige Wahlergebnis bekannt zu geben.

Der oppositionelle Präsidentschaftskandidat hat der Regierung massive Wahlfälschung vorgeworfen. Viktor Juschtschenkos Anhänger demonstrieren drastisch, wie es dazu kommen könnte.

Sie blockierten Busse, die nach ihrer Vermutung Wähler zwischen den Wahlbüros hin- her fuhren, um eine mehrfache Stimmabgabe zu ermöglichen. Merkwürdig findet Juschtschenkos Wahl-Equipe auch die hohe Wahlbeteiligung in einigen russischsprechenden Gebieten. Wahlbeobachter aus Kanada – insgesamt sind es 5000 aus verschiedenen Nationen – sahen sich massiv von der Polizei behindert. Christian Strohal, Wahlbeobachter der OSZE: “Es ist ein echtes Problem. Wir müssen für genaue, für noch genauere Wählerlisten arbeiten. Sorgen bereiten uns die Krankschreibungen, die in großer Auflage herausgegeben worden sind ohne klare Regeln oder Kontrolle der Papiere.” Wahlleiter Sergej Kivalov äußerte sich bisher nur zur Dauer der Auswertung: Wegen der hohen Wahlbeteiligung könnte sie jetzt länger sein als beim ersten Wahlgang, sagte er. Nach dem 31. Oktober hatten die Helfer 10 Tage lang gezählt. Präsident Leonid Kutschma rief angesichts der aufgeheizten Stimmung zur Besonnenheit auf und warnte vor Ausschreitungen.