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Geteilte Ukraine nach der Wahl

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Geteilte Ukraine nach der Wahl

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In der Ukraine sind zigtausende von Oppositionsanhängern dem Aufruf Juschenkos nachgekommen. Sie sind auf die Straßen gegangen, um die ganze Nacht hindurch friedlich gegen das vorläufige Ergebnis der Präsidentschaftswahlen zu protestieren. Wie bereits beim ersten Wahlgang am 31. Oktober wirft Oppositionskandidat Viktor Juschenko den zum Wahlsieger erklärten Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch massiven Wahlbetrug vor. Er soll nach Angaben der Wahlkommission drei Prozentpunkte vor Juschtschenko liegen. Mehr als 100.000 Anhänger der Opposition kamen allein auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew zusammen. Sie schwenkten die Fahne der Opposition aber auch die ukrainische und die georgische Flagge.

Letztere in Anspielung auf die samtene Revolution in Georgien, die Schewardnadse vor einem Jahr zum Rücktritt zwang. Auch Zelte wurden aufgestellt, um der Regierung zu signalisieren, dass man sich auf langfristigen Widerstand einstellt. Die Wahl galt in der Weltöffentlichkeit wie in der Ukraine als Stunde der Wahrheit für die postsowjetische Zukunft des Landes. Juschenko versprach eine Annäherung an die EU. Doch es ist fraglich wie lang die Opposition – die auch die Sympathien Europas genießt – durchhalten wird. Es ist Winter in Kiew und sehr kalt. Um die Obrigkeit wirklich zu beeindrucken müssen wohl mindestens ein Viertel der vier Millionen Einwohner Kiews demonstrieren gehen. Unterdessen herrscht bei den Anhängern des vom zentralen Wahlkomitee vorläufig zum Sieger erklärten Viktor Janukowitsch verhaltene Feierlaune. Noch steht eine endgültige Bestätigung des Wahlergebnisses aus. Der wahrscheinlich zukünftige Präsident richtete sich in einer Fernsehansprache mit Appellen an das gespaltene ukrainische Volk und sagte, alle hätten gewonnen und würden noch mehr gewinnen , wenn sie Ruhe bewahrten. Die Ukraine ist ein multikonfessionelles Land. Der katholische, ukrainisch-sprachige Westen stimmte mehrheitlich für Viktor Juschenko, im russisch geprägten, orthodoxen Osten wählte die Mehrheit Viktor Janukowitsch. Aus Donetzk, im äußersten Osten des Randes wurden am Sonntag Demonstrationen von 10.000 Anhängern Janukowitschs gemeldet.