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Historischer Tag für die Türkei

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Historischer Tag für die Türkei

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Mehr als 40 Jahre hat die Türkei auf diesen Tag gewartet. Dennoch: Sicher ist noch gar nichts, außer dassGespräche über einen möglichen Beitritt aufgenommen werden. Der Weg zur EU-Mitgliedschaft bleibt lang und kompliziert. Das gesamte Recht der EU muss die Türkei übernehmen und auchumsetzen. Es begann im Jahr 1963. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), Vorläufer der EU, stellte seinerzeit dem Nato-Land Türkei eine Vollmitgliedschaft in Aussicht und schloss ein Assoziierungsabkommen mit ihr ab. Den Antrag auf die Aufnahme stellte Ankara im April 1987. Die Zypern-Frage. Eine wahres diplomatisches Kunststück war nötig, um sie noch zu lösen. Der türkische Ministerpräsident Erdogan musste in Brüssel keinen Vertrag unterzeichnen und konnte so vor seinen Landsleuten das Gesicht wahren. Mündlich sagte er jedoch zu, die Republik Zypern werde vor Aufnahme der Beitrittsgespräche anerkannt. Beginnen sollen die am 3. Oktober kommenden Jahres. Sie sind “ergebnisoffen”. Soll heissen: Weder Dauer noch Resultat stehen fest. Sollten sie scheitern, wird die Türkei dennoch eng in die europäischen Strukturen eingebunden werden. Das Land ist aufgrund seiner besonderen Lage bereit, sich auf Ausnahmeregelungen einzulassen. Beispiel Freizügigkeit. Die bevölkerungsstarke, an den instabilen Nahen Osten grenzende Türkei könnte möglicherweise in dieser Hinsicht Einschränkungen hinnehmen müssen. Für die EU bringt der Beitritt kaum wirtschaftliche Vorteile. Doch die stark landwirtschaftlich orientierte Türkei dürfte mit milliardenschweren Zahlungen für die wenig wettbewerbsfähige Landwirtschaft rechnen. In der Regionalförderung, die das Wohlstandsgefälle in der EU ausgleichen soll, bekäme die Türkei wohl die Höchstförderung. Für die einen ist der nunmehr mögliche EU-Beitritt der Türkei eine Brücke zwischen Orient und Okzident, die Gelegenheit zur Aufnahme eines echten Dialogs. Die anderen versetzt dieseVorstellung in Angst und Schrecken – sie fürchten einen Kulturschock, sollte das islamische Land dem christlichen Europa zugerechnet werden. Doch das letzte Wort darüber, so die Expertenmeinung, wird wohl erst in 10 bis 15 Jahren fallen.