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Wahlfinale in Ukraine

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Wahlfinale in Ukraine

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Die beiden Kontrahenten im Rennen um die ukrainische Präsidentschaft haben in Kiev ihre Stimmen abgegeben. Oppositionsführer Viktor Juschtschenko hatte mit wochenlangen Massenprotesten eine Wiederholung der umstrittenen Stichwahl vom 21. November erzwungen. Im September war der ehemalige Chef der ukrainischen Zentralbank und Gegner des scheidenden Präsidenten Leonid Kutschma das Opfer eines Giftanschlages geworden. Juschtschenko macht den Regierungsapparat dafür verantwortlich, ihm möglicherweise Dioxin verabreicht zu haben, um ihn auszuschalten. Sein Sieg in der heutigen Stichwahl gilt als wahrscheinlich. “Die Demokratie in der Ukraine wird heute gewinnen”, sagte Juschtschenko.

Sein Gegenkandidat, der beurlaubte Ministerpräsident Viktor Janukowitsch, wird für die Wahlmanipulationen zu seinen Gunsten beim ersten Wahlgang vor fünf Wochen verantwortlich gemacht. Er galt als Wunschkandidat Moskaus und Präsident Kutschmas. Inzwischen haben sowohl Präsident Putin als auch Kutschma auf internationalen Druck hin ihre Neutralität bekundet. Janukowitsch hat nach Ansicht von Wahlbeobachtern seitdem an politischer Statur gewonnen. Der 1,90 Meter große Politiker wird für den zaghaften wirtschaftlichen Aufschwung verantwortlich gemacht. Hinter dem beurlaubten Ministerpräsidenten steht vor allem die wirtschaftlich stärkere Ostukraine mit ihrer mehrheitlich russischstämmigen Bevölkerung. Nach dem Wahldebakel Ende November mehreren sich dort die Stimmen, die mehr Autonomie oder sogar eine Teilung des Landes fordern. “Ich habe für die Zukunft gewählt”, sagte Janukowitsch. “Für die Zukunft der ukrainischen Bevölkerung.” Janukowitsch und seine Anhänger wollen die traditionel enge Anbindung der Ostukraine an Russland verstärken. Auf Oppositionsführer Juschtschenko setzen vor allem die Europäische Union und die Vereinigten Staaten ihre Hoffnungen. Sollte er die Wahl gewinnen, wird das Regieren für ihn allerdings schwierig werden. Sein Oppositionsbündnis wäre auf Koalitionspartner zur Bildung einer Regierung angewiesen. Und auch die Reaktion der Ostukraine auf einen Sieg Juschtschenkos ist kaum absehbar.