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Abbas gilt schon jetzt als Arafats Nachfolger.

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Abbas gilt schon jetzt als Arafats Nachfolger.

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Am 20. Januar 1996, nach mehr als einem viertel Jahrhundert israelischer Besatzung, gingen die Palästinenser zum ersten Mal an die Urnen, um einen Präsidenten zu bestimmen. Zur Wahl standen damals der inzwischen historische Palästinenserführer Yassir Arafat und Samiha Khalil, eine fast unbekannte Politikerin. Am Ende des Tages hatten 80 Prozent der Palästinenser ihre Stimme abgegeben – die große Mehrheit von 88% Prozent wie erwartet für Jassir Arafat. Neun Jahre später ist Arafat tot, doch in der palästinensischen Politik ist er immer noch allgegenwärtig.Und so setzt der aussichtsreiche Kandidat, Mahmud Abbas, auch im Wahlkampf darauf, Arafats Linie zu verfolgen.Umfragen zufolge soll er am kommenden Sonntag bis zu 65% der Stimmen bekmmen.

Im Flüchtlingslager Rafah erwarten viele nichts anderes. Einige wenige glauben sogar, dass Abbas alleine zur Wahl steht. Er sei der einzige Kandidat, den er zur Zeit kenne, sagt ein Palästinenser. Nach der langen Herrschaft Arafats ist es schwierig für die anderen Kandidaten, sich bemerkbar zu machen. Außerdem sind viele Palästinenser einfach der ständigen Gewalt müde, die sie umgibt. So wie die Eltern von Nafaz. Das zweijährige Mädchen wurde erschossen, als es im Flüchtlingslager draußen spielte. Für ihre anderen Kinder wünschen sich die Eltern nur eines: Dass sie ein normales Leben führen können, wie andere Kinder dieser Welt auch und nicht, dass sie im Alter von zwei Jahren sterben müssen. Andere Einwohner Rafahs fordern vom künftigen Präsidenten ein besseres Leben.“Natürlich brauchen wir jemanden, der unsere Bedürfnisse nachvollziehen kann, die Wünsche eines Volkes, das kein Leben führen kann”, sagt ein Palästinenser. Trotz des Aufrufes von radikalen Organisationen, die Wahlen zu boykottieren, werden die meisten Palästinenser wohl am Sonntag an die Urnen gehen. Abbas, der im Falle seiner Wahl Friedensgespräche mit Israel angekündigt hat, wird wohl auch deswegen die meisten Stimmen bekommen, weil viele in ihm Arafats natürlichen Nachfolger sehen.