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Bessere Lebensbedingungen für Roma beschlossen

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Bessere Lebensbedingungen für Roma beschlossen

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Acht Staaten Ost- und Mitteleuropas haben in der bulgarischen Hauptstadt Sofia eine Vereinbarung unterzeichnet, durch die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Roma verbessert werden sollen. “Das Hauptprinzip der Demokratie ist verletzt, wenn riesige Gruppen in ihrer Entwicklung zurückbleiben”, sagte Bulgariens Ministerpräsident Simeon Sakskoburggotski. Das Abkommen wurde außer vom Gastgeberland auch von Ungarn, Tschechien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien-Montenegro und der Slowakei unterschrieben. Auch der US-Milliardär George Soros verurteilte die, wie er es nannte, “ethnische Abstossung” der Roma in Europa. Seine Stiftung will die Roma-Eingliederung mit 30 Millionen Dollar unterstützen, 43 Millionen wurden von Regierungen sowie internationalen und privaten Organisationen zugesagt. Sie nennen sich selber eine “Nation ohne Grenze” – die in Europa lebenden Sinti und Roma. Mit ihrem reichen Kindersegen und der im Verhältnis zu den Industrienationen geringeren Lebenserwartung stellen sie einen bevölkerungspolitischen Gegenentwurf dar zum “alternden Kontinent”.

Schuld an der geringen Lebenserwartung ist in erster Linie die Armut. In Bulgarien, Rumänien und Ungarn müssen 40 % der dortigen Roma mit weniger als 2 Euro pro Tag auskommen. In Bulgarien werden 89 % der Roma-Kinder von vornherein in Schulen für geistig Behinderte gesteckt. Laut Studie der Weltbank leben 7 bis 9 Millionen Sinti und Roma in Europa -die größten Gruppen konzentrieren sich auf Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Spanien. Die Zahlen sind so ungenau, weil viele aus Furcht vor Diskriminierung immer noch nicht wagen, ihre ethnische Herkunft anzugeben. Die Erweiterung der Europäischen Union könnte auch für sie eine Chance sein, weil damit das Diskriminierungsverbot und der Minderheitenschutz der EU auch für sie gelten. Aldar Horvath von der Menschenrechtsbewegung der ungarischen Roma erklärt, seine Bewegung spiele inzwischen eine wichtige Rolle bei der politischen Bewusstseinsbildung der Roma. 60 % von ihnen nehmen ihre Bürgerrechte wahr und gehen zur Wahl. “300 bis 400.000 Stimmen von Roma bei jeder Wahl, das können die Politiker nicht mehr ignorieren”, so Horvath. Neben politischen Rechten brauchen die Angehörigen dieses im Mittelalter aus Indien nach Europa eingewanderten Volkes vor allem Bildungschancen. Auch wenn das den Bruch mit der Jahrhunderte alten Tradition des nichtsesshaften Lebens bedeutet. Integration dürfte das wichtigste Wort für die Zukunft jenes alten Volkes werden, das sich in der eigenen Sprache schlicht “Mensch” nennt. Nichts anderes bedeutet das Wort “Rom”.