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EU-Ultimatum an Kroatien im Fall Gotovina

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EU-Ultimatum an Kroatien im Fall Gotovina

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Die EU hat Kroatien ein Ultimatum gestellt: Sollte der Balkan-Staat den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ante Gotovina nicht nach Den Haag ausliefern, verzögern sich die Beitrittsverhandlungen.

Dies erklärte der polnische Außenminister Adam Daniel Rotfeld nach einem Treffen mit der Chefanklägerin des Internationalen Kriegsverbrechertribunals Carla del Ponte. Zagreb hat nun bis zum 17.März Zeit, Gotovina festzunehmen und auszuliefern.Für dasselbe Datum war ursprünglich die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen vorgesehen. Dem ehemaligen General der kroatischen Armee werden Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten vorgeworfen. Der Fall Gotovina spaltet das Land. Die einen sehen ihn als Helden einesUnabhängigkeitskrieges, die anderen werfen ihrer Regierung vor, sich dem Druck der Nationalisten zu beugen. Seit dem Öffentlichwerden der Anklage vor vier Jahren ist der ex-General auf der Flucht. Die kroatischen Behörden behaupten nicht zu wissen, wo er sich aufhält. Viele westliche Beobachter äußerten jedoch wiederholt den Verdacht, Zagreb verschleppe aus politischen Gründen seine Festnahme. In der Vergangenheit hatten vor allem rechte politische Kräfte und Kriegs- veteranen Solidarität mit Gotovina bekundet. Einige drohten sogar, ihn “mit der Waffe in der Hand” zu verteidigen. Die rechtskonservative Regierung des Landes, die den EU-Beitritt Kroatiens befürwortet, befindet sich in einem Dilemma. Das EU-Ultimatum verstärkt nun den Druck auf Zagreb weiter. Eine Verzögerung der Beitrittsverhandlungen könnte den für 2009 angedachten EU-Beitritt der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik in noch weitere Ferne rücken – kroatische Medien spekulieren über das Jahr 2014.