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Jubel und Protest nach Sorokin-Oper im Bolschoi-Theater

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Jubel und Protest nach Sorokin-Oper im Bolschoi-Theater

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Für die Oper “Rosenthals Kinder” nach Wladimir Sorokin gab es am Mittwochabendin Moskau minutenlangen Applaus. Doch diese Begeisterung teilten nicht alle.Duma-Abgeordnete hatten im Vorfeld versucht, das Stück abzusetzen. Wie ein Abgeordneter meinte ist die Oper, in der “Dr. Rosenthal” mehrere Komponisten klont, eine Mischung aus “Kitsch, Vulgarität und Nekrophilie”.

Vor dem Theater forderten rund 50 Anhänger einer kreml-treuen Jugendorganisation den Rücktritt des Direktors des Bolschoi-Theaters. “Wir wollen der Gesellschaft und der Theaterleitung klar machen, dass es absolut inakzeptabel ist, ein derart pornographisches und lausiges Stück in so einem Haus zu zeigen”, begründete ein Demonstrant seinen Ärger. Das Bolschoi-Theater ist für seine klassischen Aufführungen bekannt, zeitgenössische Stücke haben hier bisher keine Chance gehabt. Aber, erinnert Direktor Anatoly Iksanov: “Die Entwicklung des Genres ist eine der zentralen Aufgaben des Bolschoi Theaters. Aber leider sind moderne Stücke, wenn sie in den letzten 30 Jahren überhaupt bestellt wurden, nicht aufgeführt worden. Aus diesem Grund haben wir uns gedacht: Wer sonst als wir vom Bolschoi Theater könnte sich um die Förderung der Oper kümmern?” Sorokin, dessen geklonte Komponisten in “Rosenthals Kinder” als Obdachlose enden, weil der russische Staat kein Geld mehr für die Forschung hat, provoziert nicht zum ersten Mal.