Eilmeldung

Eilmeldung

Prozess gegen Geiselnehmer von Beslan beginnt

Sie lesen gerade:

Prozess gegen Geiselnehmer von Beslan beginnt

Schriftgrösse Aa Aa

Acht Monate nach dem Geiseldrama an einer Schule in der nordossetischen Kleinstadt Beslan beginnt am Dienstag in Wladikawkas der Prozess gegen den offiziell einzig überlebenden Geiselnehmer. Dem 24-jährigen Tschetschenen Nurpaschi Kulajew werden Terrorismus und Mord zur Last gelegt. Er gibt die Beteiligung an der Geiselnahme zu, leugnet allerdings, jemanden getötet zu haben. Bis heute ist nicht klar, wie viele Terroristen an der Geiselnahme beteiligt waren. Zunächst hatte es geheißen, von den 32 Attentätern seien alle bis auf einen ums Leben gekommen. Nun aber gehen russische Politiker davon aus, dass es noch weitere überlebende Geiselnehmer gibt. Man habe dafür indirekte Beweise, hieß es aus der zuständigen Untersuchungskommission.

Der Prozess gegen Kulajew wird voraussichtlich mehrere Monate dauern. Mehr als 1.300 Zeugen sollen vernommen werden. Den 24-jährigen droht eine lebenslange Haftstrafe. Die Todesstrafe wird in Russland seit 1996 nicht mehr vollstreckt. Im September 2004 hatten tschetschenische Terroristen die Schule in Beslan überfallen und mehr als 1000 Geiseln fast drei Tage lang festgehalten. Bei der Erstürmung der Schule durch russische Sondereinheiten starben rund 300 Menschen, darunter 186 Kinder. Die überlebenden Schüler sind bis heute traumatisiert. “Mein Bruder will nicht mehr zur Schule gehen”, erzählt etwa ein Junge, “er bleibt daheim und meine Mutter unterrichtet ihn.” Viele Angehörige der Opfer werfen den Sicherheitskräften vor, beim Sturm auf die Schule das Leben der Geiseln nicht geschont zu haben und damit die Schuld am Tod der Kinder zu tragen. Sie verlangen nun ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.