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Brüsseler Franzosen hoffen, dass ihre Landsleute doch noch Verfassung absegnen

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Brüsseler Franzosen hoffen, dass ihre Landsleute doch noch Verfassung absegnen

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Mit Spannung verfolgen die Franzosen, die in Brüssel leben, die letzten Tage vor dem EU-Verfassungs-Referendum in ihrer Heimat – und die Auf- und Abwärtstrends in den Umfragen dort.

Die Franzosen in der EU-Hauptstadt bilden, wie könnte es anders sein, eine Hochburg der Verfassungsfans. Mit dabei: Französisch-Lehrer Julien Phelippeau: “Die Franzosen, die in Brüssel leben, sind eher für die Verfassung, denn wir stehen in direktem Kontakt zur Europäischen Union. Deswegen können wir besser verstehen, wie sie funktioniert, welche Dinge zu ändern sind. Wir diskutieren hier viel über die EU und ich denke, es ist das, was in Frankreich fehlt.” Auch bei der belgischen Filiale von Frankreichs Sozialistischer Partei herrscht weit mehr Zustimmung zum Vertrag als in der Heimat. Bei dem parteiinternen Votum über die Verfassung war das Lager der Nein-Sager in Belgien halb so groß wie das in Frankreich. Für Pierre-Yves Le Borgn’, den Chef des Auslands-Zweigs, der bei einem amerikanischen Chemie-Konzern arbeitet, liegen die Gründe auf der Hand: “Die Leute, die im Ausland leben, sind eher für die Verfassung, oder tendieren jetzt vor dem Referendum zum Ja, weil sie sozusagen Testpersonen in einem Mini-Labor des europäischen Lebens sind. Sie erleben den Erfolg der EU, zum Beispiel die Koordinierung der Sozialversicherungen, aber auch die Mängel, wie die komplizierte Kostenerstattung bei medizinischer Behandlung im Ausland.” Die konservative UMP, die in Frankreich die Regierung stellt – und auch den Präsidenten – macht Wahlkampf für die Verfassung und hat es in Frankreich schwer, die Bürger zu überzeugen. George-Francois Seingry, der Chef ihrer Brüsseler Filiale, hielte es für eine Katastrophe, wenn die Franzosen den Vertrag ablehnen, wie die Umfragen bislang vorhersagen. Aber: “Erstens glaube ich, dass sich die Franzosen in letzter Minute doch noch besinnen, ihre rein französchen Probleme bei Seite lassen, und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Und falls unglücklicherweise doch das Nein den Sieg davonträgt, dann sollte man ihnen meiner Meinung nach sechs, zehn oder zwölf Monate später die Frage noch einmal stellen.” Das Leben der Brüsseler Franzosen dürfte sich auch bei einem Nein Frankreichs zur Verfassung kaum ändern. Ihr Heimatland dagegen, so fürchten sie, könnte dann isoliert in der EU dastehen…