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Frankreich: Vor Abstimmung über EU-Verfassung wächst die Anspannung

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Frankreich: Vor Abstimmung über EU-Verfassung wächst die Anspannung

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In Frankreich herrscht vor dem Referendum über die EU-Verfassung am Sonntag zunehmende Nervosität. Staatspräsident Jacques Chirac wandte sich am Donnerstag in einer Fernsehansprache an seine Landsleute.

Bei zwei früheren TV-Auftritten hatte Chirac die Verfassungs-Skeptiker allerdings nicht überzeugen können: Laut neuesten Umfragen wollen 54 Prozent der Befragten gegen die Verfassung stimmen. Es ist die elfte Meinungserhebung in Folge, bei der die Gegner überwiegen. Viele von ihnen befürchten eine zu große Betonung des freien Markts, Preis- und Sozialdumping. Die Befürworter hingegen argumentieren, dass die Verfassung mehr Handlungsfähigkeit für die Union auch nach der Osterweiterung bringe. Vielfach sind die Gründe für die jeweilige Entscheidung recht unklar. So meinte eine Pariserin, sie werde mit Ja stimmen, auf die Frage nach dem Warum wusste sie jedoch keine Antwort. Ein anderer Passant hatte klarere Vorstellungen: “Es geht nicht nur um uns, es geht um die Jugend. Sie brauchen ein vereintes Europa als Gegengewicht zu den USA, China und Indien.” Französische Politiker bemühen sich nun vor allem um die Unentschlossenen – denn sie sind es, die das Referendum vermutlich entscheiden werden. Ein deutliches Zeichen setzten die EU-Parlamentarier bei ihrer Sitzung am Donnerstag in Straßburg: Sie hielten Tafeln hoch, auf denen ein großes “Oui” prangte. Aber damit nicht genug: Mehrere Abgeordnete fuhren im Anschluss nach Paris, um dort eine Menschenkette in Form eines “Oui” zu bilden – ein Versuch, noch einmal auf die Stimmung der Franzosen einzuwirken.