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Libanesen wählen neues Parlament

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Libanesen wählen neues Parlament

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Im Libanon beginnen heute die ersten Parlamentswahlen ohne syrische Truppenpräsenz im Land. Mehr als drei Millionen Wahlberechtigte sind zur Abstimmung über ein neues Parlament aufgerufen. Nach dem Mord an dem früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri Mitte Februar haben Massenproteste und internationaler Druck das politische Klima grundlegend verändert. Ende April hatte das benachbarte Syrien seine Truppen vollständig abgezogen. Ausländische Wahlbeobachter von der Europäischen Union und den Vereinten Nationen werden den ersten freien Urnengang seit über drei Jahrzehnten begleiten. Sollte die Opposition die Wahl gewinnen, die sich über drei Wochen hinzieht, steht sie vor der schwierigen Herausforderung, das ethnische Gleichgewicht im Land zu bewahren und das Vertrauen der Bürger in die Demokratie zu gewinnen. Ihr Spitzenkandidat ist Hariris Sohn Saad. Dem 35-jährigen Geschäftsmann werden gute Chancen auf das Amt des Regierungschefs eingeräumt. Hariri und Drusenführers Walid Dschumblatt haben sich inzwischen verbündet. Der aus dem Exil heimgekehrte christliche Politiker Michel Aoun gilt dagegen als weitgehend isoliert. Das von vielen Bürgern als Geschachere um die Macht empfundene politische Ränkespiel im Libanon hat dafür gesorgt, dass die Euphorie nach dem Abzug der syrischen Truppenpräsenz einer gewissen Ernüchterung gewichen ist.