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Streit um Personalausweise in Großbritannien

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Streit um Personalausweise in Großbritannien

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Wieviele Menschen leben eigentlich in Großbritannien? Derzeit weiß das keiner so genau. Die Einführung von Personalausweisen könnte diese Frage beantworten. Für die Kritiker der Initiative von Premier Tony Blair ist das kein Argument. Eine Petition dagegen trägt bereits 28.000 Unterschriften. Die Briten fühlen sich nackt, wenn ihre persönlichen Daten per Ausweis offengelegt werden. Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Adresse und gegebenenfalls der Einwandererstatus sollen auf der Karte verzeichnet sein. Phil Booth, ein prominenter Gegner des Projektes, spricht von “moralischer Beleidigung” der Menschen, wenn sich die Regierung so in ihr Leben hineindrängt. Um die Briten langsam daran zu gewöhnen, soll es erst ab 2008 Pflicht sein, den Personalausweis stets bei sich zu tragen – so wie es in kommunistischen Ländervorgeschrieben war. Das wäre zwei Jahre nach der Einführung von Pässen mit biometrischen Daten. Es gibt Hinweise von Fachleuten, wonach das Einlesen der Iris bei bestimmten Bevölkerungsgruppen wie Farbigen und Menschen über 59 noch nicht nicht fehlerfrei möglich ist.

Umstritten ist das Projekt nicht zuletzt wegen der Kosten. Der Experte der Konservativen, David Davis, zitiert Volkes Stimme: “Plastik-Steuer” – denn ein Bürger müsse für alle nötige Dokumente zusammen bis zu 450 Euro zahlen. Die Argumente der Regierung, mittels Ausweis könne man dem Missbrauch von Sozialleistungen entgegenwirken, verhallen weitgehend ungehört. Statt dessen wird gefragt, wieviel Missbrauch mit den Daten getrieben werden könne. Ein Gewerkschaftsvertreter äußert die Sorge, dass diese persönlichen Daten der Bürger zur begehrten Handelsware werden könnten – zum Wohle des Profits bestimmter Firmen. Die Befürworter preisen die Ausweispflicht als Allheilmittel gegen alle möglichen Übel von Sozialmissbrauch bis Drogenhandel und Terrorismus. Die Kritiker halten ihnen entgegen, dass die Al-Kaida-Terroristen sogar im ordentlichen Deutschland mit Meldepflicht ihr Netz spinnen konnten.