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Angela Merkel in Paris

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Angela Merkel in Paris

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Auf Bilder von Angela Merkels Truppenbesuch im Kosovo greifen derzeit französische Fernsehsender zurück, um ihren Zuschauern die Politikerin vorzustellen, die der Pariser Führungsschicht ihre Aufwartung macht. Dass sie aus der – wie man in Frankreich sagt – “gleichen politischen Familie” kommt, ist eher nebensächlich.

In der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen lief es über Kreuz eigentlich immer am besten – der deutsche Sozialdemokrat und der konservative Franzose, oder umgekehrt. Angela Merkel und Jacques Chirac haben hingegen reichlich Meinungsunterschiede. Das fängt mit den Beziehungen zwischen EU und Türkei an. Im konservativ regierten Frankreich muss man befürchten, dass das Nein der Bürger zur EU-Verfassung die Merkel-Position einer privilegierten Partnerschaft stärkt. Auch in der Irak-Politik gehen die Meinungen meilenweit auseinander. Merkels außenpolitischer Sprecher hat in der wichtigen Pariser Tageszeitung “Le Figaro” die Dreiertreffen der Irak-Kriegs-Gegner Frankreich, Deutschland und Russland als “ gegen Amerika gerichtet” kritisiert. Wenn statt des Sozialdemokraten Gerhard Schröder erst die Christdemokratin Angela Merkel bei George Bush am Kamin sitzt, werden die Kommuniques weit mehr Übereinstimmung verkünden. Das dürfte sicher sein. Aber was wird aus der historisch oft bewährten deutsch-französischen Partnerschaft? Nach Mitterrand-Kohl und Chirac-Schröder könnte die in der Kombination Sakorzy-Merkel wieder so eng werden wie in besten Zeiten. Denn mit den gegenwärtigen Innenminister und UMP-Parteichef findet die Kanzlerkandidatin eher die gleiche Wellenlänge – wie beim Thema Türkei bereits erprobt. Dazu aber bedarf es nicht nur einer Bundestagswahl mit Merkel-freundlichem Ausgang. Auch die französische Präsidentschaftswahl 2007 muss zugunsten des schon offen auf darauf hinarbeitenden Nicolas Sakorzy entschieden werden.