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Interview mit Marokkos Finanzminister Fathallah Oualalou

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Interview mit Marokkos Finanzminister Fathallah Oualalou

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Vor zehn Jahren wurde in Barcelona die Partnerschaft der EU mit den Ländern des Mittelmeer-Raumes vereinbart. Sie reicht von den Maghreb-Ländern bis zu Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Zum 10. Jahrestag von “Euromed” trafen sich die Finanzminister in Marokko -Anlass für ein Interview mit dem Gastgeber, dem marokkanischen Finanzminister Fathallah Oualalou.

EuroNews: Beginnen wir mit Nachbarschaftspolitik. Fürchten sie nicht, dass die Europäische Union mit ihrer Euromed-Politk die Konkurrenz unter den Mittelmeer-Anrainern anheizen könnte?

Fathallah Oualalou: Nein.Wie sie wissen, verhandeln wir auch über einen Aktionsplan für Nachbarschaftspolitik.Es geht vor allem um die Homogenisierung dieses Wirtschaftsraumes.Da ist es im Sinne der Nachbarschaftspolitik, den Vertrag von Barcelona zu verlängern.

EuroNews: Aber es gibt Konkurrenz….

Fatallah Oualalou: Ich kann ihnen bestätigen, dass es so ein Risiko geben kann. Aber es muss nicht die EU dazu verleiten, die Besonderheiten der südlichenMittelmeerländer zu vernachlässigen .Wenn man die Bilanz der vergangenen zehn Jahre seit Barcelona zieht, stellt man fest, dass es Erwartungen bei Investoren und auf den Finanzmärkten gibt.

EuroNews: Marokko hat enge Beziehungen sowohl zu den USA wie auch zur EU.Fühlen sie sich da nicht wie auch einem Feld der Konfrontation?Auch wenn es eine friedliche ist zwischen dem Euromed-Projekt der EU und den Projekt der Bush-Regierung The greater middle-east.

Fatallah Oualalou: Nein, das glaube ich nicht.Man muss zwei Dinge berücksichtigen.Marokko betreibt ein Politik der Öffnung, der Reformen.Da ist es entscheidend, sich aller Welt gegenüber zu öffnen.In diesem Sinn sind unsere Verträge mit den USA zu verstehen.Aber seit zehn Jahren gibt es die auch mit der EU, festgelegt in Barcelona.Da spielt auch die Geografie eine Rolle.Deshalb ist und bleibt die Europäische Union unser Hauptpartner.70 Prozent des Austausches im Handel, bei Technologie, Kultur und auf persönlicher Basis betreffen die EU.

EuroNews: Denken oder befürchten Sie, dass diese politische Krise, die gerade Europa erfasst, sich auch auf Europas Mittelmeerpolitik auswirken könnte?

Fatallah Oualalou: Sie wissen, dass die Konjunktur in Europa schlecht läuft.Man darf aber nicht vergessen, dass Europa in den vergangenen 50 Jahren enorme Fortschritte gemacht hat.Auch wenn Europa gerade eine schwierige Phase durchläuft, sagen wir den Europäern, ihr dürft den Mittelmeerraum nicht vergessen, dort liegt eure Zukunft.Diese Anbindung des Mittelmeerraumes wird eure Konjunktur wieder ankurbeln.

EuroNews: Halten Sie ausländische Investitionen und Entwicklungshilfe für entscheidend beim Kampf gegen den Terrorismus?

Fatallah Oualalou: Die Frage der Sicherheit stellt sich heute in der ganzen Welt.Um die besten Antworten zu bekommen bedarf es zweier Dinge:Einerseits ist das der Anschluß unserer Länder an die Modernisierung.Wir haben den politischen Willen, unsere Gesellschaft zu modernisieren, die Lage der Frauen zu verbessern und Marokko in diesem Sinne voranzubringen.Zweitens ist der Kampf gegen die Armut sowohl auf dem Lande wie in den Städten entscheidend, um jenen Tendenzen entgegenzuwirken, die Extremismus begünstigen.