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Freiheit für den früheren libanesischen Milizenchef Samir Geagea

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Freiheit für den früheren libanesischen Milizenchef Samir Geagea

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Nach elf Jahren Einzelhaft in einer unterirdischen Zelle wurde der einstige Führer der “Forces Libanaises” aus dem Gefängnis entlassen. Der anti-syrisch eingestellte Geagea kam aufgrund eines Amnestiegesetzes frei, das nach dem Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon erlassen worden war. Auf den Straßen Beiruts herrschte Begeisterung. Hunderte kamen zum Flughafen, um ihren Nationalhelden Samir Geagea zu begrüßen. Er ist einer der ehemaligen Verantwortlichen von Baschir Gemayels christlicher Bürgermiliz. Zur Begrüßung sagte Geagea: “Die dunklen Jahre liegen hinter mir, ihr zahlt den Preis der Freiheit kein zweites Mal. Wenn ihr eine bessere Zukunft wollt, müsst ihr diesmal anders vorgehen, nicht mehr so, wie wir es im Krieg taten.” Weiter rief er den Libanesen zu: “Ihr seid aus einem großen Gefängnis befreit worden, und das hat es mir ermöglicht, aus meinem kleinen frei zu kommen”, und machte damit eine Anspielung auf das Ende der syrischen Besatzung. Der heute 53-jährige Samir Geagea war eigentlich zu lebenslanger Haft verurteillt worden, weil er an politischen Morden während des Bürgerkriegs beteiligt gewesen sein soll, zum Beispiel an dem des früheren Ministerpräsidenten Raschid Karami. Bei jahrzehntelangen Kämpfe kamen mehr als 150 000 Menschen ums Leben. Hintergrund war der Dauerkonflikt unter den Volks- und Religionsgruppen im Land. Die Muslime waren zwar in der Mehrheit im Libanon, trotzdem regierten die Christen. Seinerzeit verbündeten sich muslimisch-libanesische Gruppen mit der PLO, wodurch es zu Kämpfen mit Israel kam, bis die Syrer 1976 den Libanon besetzten. Die Spannungen und Auseinadersetzungen gingen aber weiter. Erst seit dem Abzug der Syrer scheint sich das Blatt zu wenden. Viele Libanesen hatten immer wieder für die Freilassung Samir Geageas demonstriert. Es sei unfair, dass alle anderen ehemaligen Kriegsherren ungeschoren davon gekommen seien, nur der christliche Führer sei damals von der Amnestie ausgenommen worden, argumentierten sie. Das libanesische Parlament hatte die Begnadigung Geageas am Montag gebilligt.