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Kronprinz Abdullah wird König

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Kronprinz Abdullah wird König

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Es ist eine Thronfolge unter greisen Brüdern. Abdullah, der sofort nach dem Tod seines Bruder Fahd, den Thron bestieg, hat die 80 schon überschritten.Auch der nunmehrige Kronprinz Sultan, Jahrgang 1927, gehört, wie die Nächsten in der Thronfolge, zur gleichen Generation.

Die Verständigung mit den USA dürfte schon rein sprachlich schwieriger werden.Anders als sein im Westen erzogener Halbbrunder Fahd spricht Abdullah nur Arabisch. Und er zeigte sich schon als Kronprinz konservativer. Dank seiner Frömmigkeit – so sagen Experten – könnte es Abdullah eher gelingen, gegenüber den einflußreichen Islamgelehrten Reformen durchzusetzen.Denn Saudi Arabien ist auch für seine Bürger kein “Paradies im Wüstensand” mehr. Wichtigste Einnahmequelle neben dem Öl sind die Pilger, die alljährlich im Massen die heiligen Stätten des Islam in Mekka und Medina besuchen.König Fahd hatte sich 1986 zusätzlich den Titel “Hüter der heiligen Stätten” zugelegt. Dann hatte man im Königshaus allerdings versäumt, sich um die Heimkehrer aus dem Afghanistankrieg zu kümmern. Radikalisiert und nach ihrem Sieg über die sowjetischen Besatzer auch mit bisher nicht gekanntem Selbstbewußtsein stellten sie auch daheim Forderungen. Dass König Fahd nach Saddam Husseins Überfall auf Kuweit 1990 amerikanische Truppen – also “Ungläubige” – im Land der “heiligen Stätten” aufmarschieren liess, das brachte das Fass des religiösen Fanatismus zum Überlaufen.Angeführt von Osama bin Laden, Sohn einer der reichsten saudischen Familien, dessen Brüder bei Hofe ein- und ausgingen, begnügten sich diese “heiligen Krieger” nicht mehr mit Angriffen auf die Länder der Ungläubigen. Ab 2003 schreckten sie auch vor Anschlägen im eigenen Land nicht mehr zurück.Aus Zorn über den “unmoralischen Lebenswandel” vieler Prinzen, hiess es in Bekennerschreiben. Nicht zuletzt auf Druck aus Washington begann der damalige Kronprinz Abdullah nun durchzugreifen. Das Königshaus solle mehr Demokratisierung wagen, hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice in ihrer Grundsatzrede gesagt.Von einer rechenschaftspflichtigen Regierung sind die Saudis aber noch weit entfernt. Im Februar fanden gerade die ersten Kommunalwahlen statt – natürlich nur für Männer.