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Irans neuer Präsident

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Irans neuer Präsident

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Im Inland mehr Bescheidenheit zeigen – im Ausland als harter Verhandlungspartner auftreten. Schon im Wahlkampf des 48jährigen Mahmud Ahmadinedjad war zu erkennen: er präsentiert sich als “Mann des Volkes”,als jener Bürgermeister der Hauptstadt Teheran, der es gewagt hatte, gegen die allgegenwärtige Korruption vorzugehen.Seinen Anhängern gefällt die Geschichte, wie er als Bürgermeister von Teheran all die Mafia-Typen einfach stehen liess, die ihn noch im Bürgermeisterbüro bedrängten.

Mit Reformpolitik ist jetzt Schluß im Iran. Das neue Staatsoberhaupt kommt aus der erzkonservativen Ecke, gehört zur Partei mit Namen “Entwicklung”, die seit mehr als einem Jahr das Parlament dominiert. Ahmadinedjads Präsidentschaft beginnt mit einem Mord auf offener Straße.Der Richter, der vor fünf Jahren im Prozeß gegen 20 Dissidenten die Urteile sprach, wurde niedergeschossen. Die Position des neuen Präsidenten im Atomstreit ist noch nicht ganz klar. Teheraner Medien wollen bereits von einem neuen Chefunterhändler für die Gespräche mit der EU gehört haben, einem weniger kompromißbereiten Mann.Zitiert wird ein Papier der Präsidentenpartei, in dem es heisst, man werde sich von den Europäern nichts vorschreiben lassen. Der Politologe erwartet keine schnelle Änderung in der Atompolitik.Er entnimmt aus bisherigen Erklärungen, der Präsident wolle keine Verschäfrung in den internationalen Beziehungen.Aber er wolle auch, dass der Iran eine mehr aktive als passive Außenpolitik betreibe. Ahmadinedjad bezeichnet sich selbst als “Fundamentalisten”, versichert, er wolle ganz in der Tradition des verstorbenen Revolutionsführers Ajatollah Chomeini “Moslems weltweit erneut Würde bescheren”.Eine andere Erinnerung an seine Jugend unter Ajatollah Chomeini könnte dem jungen Präsidenten noch Probleme bereiten.In der Weltpresse macht ein Foto von Studenten die Runde, die 1979 die US-Botschaft gestürmt und US-Bürger 444 Tage als Geiseln festgehalten haben.Aus dem Weißen Haus heisst es, man werde dem weiter nachgehen. Ahmadinedjad wird sich auch mit der iranischen Jugend auseinandersetzen müssen, die – anders als zu seiner Zeit – in Richtung Westen tendiert.