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Die religiösen Hintergründe der israelischen Siedlerbewegung

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Die religiösen Hintergründe der israelischen Siedlerbewegung

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Unter dem Beifall der Umstehenden wechselt der Rabiner dem Polizisten die Kopfbedeckung – die göttliche Aufgabe steht über der weltlichen, soll das bedeuten. Viele der Siedler gehören zur Bewegung “Gush Emunim” – übersetzt “Block der Getreuen”. Woher sie ihren Rechtsanspruch auf dieses Land nehmen, das liest der Rabiner vor. Christen kennen den Text aus dem Alten Testament, Buch Numeri, Kapitel 33, “Die Anweisungen zu Landverteilung”. Dort steht: “ Vertreibt vor euch alle Einwohner des Landes. Dann nehmt das Land in Besitz und lasst euch darin nieder; denn ich habe es euch zum Besitz gegeben.” In den Jahren nach dem 6-Tage-Krieg von 1967 wurde “Gush Emunim” gegründet.Die Suche nach den Ursachen führt bis zurück zur “Balfour-Deklaration” von 1917, mit der das britische Mandat für Palästina festgelegt wurde.Man vermied es aber, die “Nationale Heimstätte der Juden” in konkrete geografische Grenzen zu fassen Der Grundsatz von Gush Emunim lautet: Kein Teil von “Eretz Israel”, dem biblischen Israel, darf unter Fremdherrschaft sein, darum muss das Land der Palästinenser besiedelt werden, auch wenn das gegen die politischen Interessen des Staates Israel verstößt. Shalom Rosenberg, Professor für jüdisches Denken spricht vom Ort, wo die Juden ihren Gott treffen, vom Ort der Erlösung.Die Auferstehung des biblischen Reiches könne nur durch den Messias persönlich erfolgen – aber in der Interpretation der Siedlerbewegung “Gush Emunim” könne das Kommen des Messias beschleunigt werden, weil die jüdische Herrschaft über das biblische Land Israel einen Schritt in Richtung Erlösung darstelle.Darum bestehe die Aufgabe der Gläubigen darin, das neu eroberte Land in Besitz zu nehmen.

Regierungschef Ariel Scharon sagt heute: “ Es ist kein Geheimnis, dass ich geglaubt habe, wir könnten Netzarim und Kfar Darom für immer behalten.Aber die sich veränderde Realität in diesem Land, in dieser Region hat zur Veränderung der Position geführt.” Nur hat es der Regierungschef über alle Maßen schwer, den Siedlern, die er einst selber rief, seinen Sinneswandel zu vermitteln. Was wird sich durchsetzen in diesem Konflikt?Die politische Vernunft des 21. Jahrhunderts – oder ein 5000 Jahre altes religiöses Heilsversprechen?