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Ausstellung in Danzig erinnert an die Geschichte von Solidarnosc

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Ausstellung in Danzig erinnert an die Geschichte von Solidarnosc

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Mit einer Ausstellung wird dieser Tage im polnischen Danzig an die Geschichte von Solidarnosc erinnert. Ein Vierteljahrhundert ist seit den Anfängen der ersten unabhängigen Gewerkschaft in einem kommunistischen Staat vergangen. Anfang der achtziger Jahre zählte sie zehn Millionen Mitglieder. Ihr früherer Vorsitzender, der ehemalige Präsident Polens, Lech Walensa, erinnert sich: “Es war ein Risiko, doch zugleich eine Chance. Wir haben uns organisiert, doch der Geheimdienst war immer dabei. Wäre der Protest lokal beschränkt geblieben, so wäre er bald erstickt worden, doch wir hatten Unterstützung.”

Die ersten teilweise freien Wahlen im Juni 1989 werden zu einem durchschlagenden Erfolg für Solidarnosc, allein im Senat erobern ihre Vertreter 99 von 100 Sitzen. Tadeusz Mazowiecki, der langjährige Berater Walesas wird wenig später der erste nichtkommunistische Regierungschef. Doch die Hoffnungen der Menschen auf raschen Wohlstand erfüllen sich nicht, die wirtschaftliche Krise vertieft sich, Unzufriedenheit und Enttäuschung machen sich breit. Bei den Parlamentswahlen 1993 setzen sich die Wendehälse durch. 1995 verliert Walesa, die Symbolfigur des Aufbruchs, die Präsidentschaftswahlen gegen Aleksander Kwasniewski. Die Gewerkschaft, nur Jahre zuvor eine mächtige politische und soziale Kraft, verliert zunehmend an Einfluss. Die Wahlen 1997 bringen dem konservativen Wahlbündnis, das unter dem Namen Solidarnosc antritt, zwar die relative Parlamentsmehrheit, doch nur Monate später kommt es zu massiven Protesten der Gewerkschaft gegen die Koalitionsregierung, von der sie sich nicht mehr vertreten fühlt. Nach der Niederlage bei den Parlamentswahlen 2001 zerfällt das Wahlbündnis. Solidarnosc spielt heute keine parteipolitische Rolle mehr. Dennoch besteht sie als starke und unabhängige Gewerkschaft. Die ehemalige Lenin-Werft in Danzig, dort wo alles begann, gibt es noch. Wo einst 17 000 Menschen beschäftigt waren, ist es heute nur noch ein Bruchteil davon. Im Rückblick wird es deutlicher denn je: Die Anfänge der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc sind zugleich der Anfang vom Ende der kommunistischen Herrschaft in Polen und Europa.