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25 Jahre Solidarnosc - Lech Walesa geht


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25 Jahre Solidarnosc - Lech Walesa geht

Feierstunde zum 25. Jahrestages der Solidarnosc-Gründung vor dem historischen Werktor Nummer 2 der Danziger Werft

Der Mann, der in jenen heißen Augusttagen des Jahres 1980 die Arbeiter der damaligen Lenin-Werft in den Streik führte, hielt heute seine letzte Rede als Mitglied der ersten freien Gewerkschaft im Ostblock. Lech Walesa – Anführer und Symbol-Figur von Solidarnosc hat angekündigt, nach den Feierlichkeiten aus der Gewerkschaft auszutreten. Zuviel habe sich geändert, er fühle sich in der polnischen Innen- und Gewerkschaftspolitik nicht mehr gebraucht. Aufgestiegen bis zum ersten Mann im demokratischen Polen, hat der ehemalige Arbeite viele Anhänger verloren, weil so viele seine ehemaligen Weggefährten im vorwerfen, in seiner Zeit als Staatspräsident ihre Interessen verraten zu haben. Sie machen ihn verantwortlich für die Härten der Marktwirtschaft, denen sie sich in der erträumten Freiheit unversehens gegenübersahen. Bei seiner zweiten Kandidatur für Präsidentschaftswahlen bekam Lech Walesa nur noch ein Prozent der Stimmen. In seiner Jubiläumsrede mischten sich Erinnerungen an die Euphorie des Aufbruchs, der Kraft, dem Sowjet-System zu widerstehen , schon mit Überlegungen zu dem, was er als seine neue Aufgabe ansieht: er will sich mit Globalisierung beschäftigen. International wirken soll auch das “Zentrums für europäische Solidarität”, dessen Gründungsurkunde die zahlreich anwesenden Staatspräsidenten und EU-Vertreter bei dieser Feierstunde unterzeichneten. Der Präsident der EU-Kommission sprach von der Hoffnung, dass diese Stiftung künftigen Generationen helfen werde, jenen Geist weiterzutragen, der die Arbeiter in Gdansk inspiriert hatte, und dann überall in Mitteleuropa. Für seine Unterschrift hatte Lech Walesa noch einmal den historischen Stift aus dem Museum holen lassen, mit dem er vor 25 Jahren das “Danziger Abkommen” unterzeichnete. Die Hauptakteure von einst, die Arbeiter der Werft, waren zu der Feier zum Jubiläum ihres mutigen Kampfes nicht eingeladen. Mehr noch, sie mussten einen Tag unbezahlten Urlaub in Kauf nehmen. Es wurde ihnen nicht einmal gestattet, wie in jedem Jahr vor dem Tor Nummer Zwei Blumen für ihre 1970 beim ersten Streik erschossenen Kollegen niederzulegen. “Aus Sicherheitsgründen”, hieß es.
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