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Im Ausland lebende Türken bezweifeln Erfolg der EU-Beitrittsverhandlungen

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Im Ausland lebende Türken bezweifeln Erfolg der EU-Beitrittsverhandlungen

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Nicht alle im Ausland lebenden Türken sind davon überzeugt, dass die am kommenden Montag beginnenden Beitrittsverhandlungen zügig vorankommen werden. Sie wissen, dass die Zypern-Frage ein großes Hindernis sein wird und dass ihr Herkunftsland noch viel tun muss, um seine demokratischen Standards zu verbessern. Ein in Brüssel lebender Türke, der sich selbst als Sozialdemokraten bezeichnet, meint: “Umfragen zufolge sind etwa achtzig Prozent der Türken für einen Beitritt ihres Landes. Doch ihnen geht es weniger um die Demokratisierung. Sie glauben vielmehr, mit dem EU-Beitritt hätten sie das Recht, ihre Sachen zu packen und einen Job in Deutschland zu suchen. Darum sind sie für den Beitritt.” Der Besitzer eines türkischen Supermarkts in Brüssel jedoch betont: “Wir müssen die europäischen Kriterien respektieren, darum geht es, und zwar nicht weniger als andere Staaten.” Der Türkei-Experte Robert Anciaux weist auf die große Bemühungen hin, die das Land bereits unternommen hat. “Die Reformen, einschließlich jene der Verfassung sind eine solche Anstrengung.Aus diesem Grund gerät die Regierung in Ankara immer mehr ins Visier der konservativen Kräfte. Ich denke dabei vor allem an die Militärs und an einige politische Gruppierungen, die gegen solche Reformen sind, insbesondere wenn es sich dabei um die Rechte der ethnischen Minderheiten, wie die der Kurden handelt.” Die in Brüssel lebenden Türken beobachten auch den Zulauf, den die türkischen Islamisten haben. Und sie befürchten völlig zu Recht, dass diese Entwicklung in Europa mit Argwohn betrachtet wird und manchem sogar Schrecken einjagt.