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Streit um SNCM-Privatisierung: Gewerkschafter freigelassen, Blockaden dauern an

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Streit um SNCM-Privatisierung: Gewerkschafter freigelassen, Blockaden dauern an

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Im Konflikt zwischen der französischen Regierung und korsischen Gewerkschaftern um die Privatisierung der Reederei SNCM sind am Freitag abend vier korsische Gewerkschaftsführer freigelassen worden. Sie waren inhaftiert worden, nachdem sie eine SNCM-Fähre gekapert hatten. Alain Mosconi, einer der Hauptakteure der Gewerkschafter, meinte nach seiner Freilassung im südfranzösischen Marseille, nun sei Besonnenheit vonnöten. Auf Korsika müsse Ruhe einkehren, damit die Zukunft der Reederei von anderen Standorten aus beleuchtet werden könne.

In Bastia auf Korsika feierten am Freitag abend Hunderte Menschen die Freilassung der Gewerkschafter. Am Mittwoch hatten die Männer eine SNCM-Fähre gekapert und sie nach Bastia gesteuert – am Donnerstag war die Fähre mit militärischer Hilfe nach Toulon gebracht worden. Die Festnahmen sowie die Miitäraktion hatten sowohl bei Gewerkschaftern als auch bei nationalistischen Korsen für Empörung gesorgt. In Marseille und im korsischen Ajaccio marschierten am Samstag morgen Hunderte Sicherheitskräfte auf, um gegen die andauernden Blockaden vorzugehen. Nationalistische Korsen legen seit gestern abend Häfen, Flughäfen und Treibstoffdepots lahm. Tausende Touristen sitzen fest. Die korsische Präfektur setzte einen Krisenstab ein, der die Versorgung der Inselbevölkerung mit Medikamenten, Brot und Treibstff sicherstellen soll. Die Gewerkschaften haben unterdessen neuen Verhandlungen mit der französischen Regierung zugestimmt. Premierminister Dominique de Villepin sagte bereits zu, dass der Staat eine Beteiligung an der Reederei behalten und ihr Überleben sichern werde. Weitergehende Maßnahmen seien nicht möglich, da die EU-Kommission eine Dauersubvention der Reederei nicht gestatte. Für die Gewerkschaften ist dieses Angebot des französischen Premierministers jedoch nicht ausreichend.