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Madrid zieht Konsequenzen aus Flüchtlingsdrama

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Madrid zieht Konsequenzen aus Flüchtlingsdrama

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Die spanischen Behörden haben erstmals 70 afrikanische Flüchtlinge nach Marokko abgeschoben. Damit zog Madrid Konsequenzen aus dem jüngsten Flüchtlingsansturm auf seine Nordafrika-Exklaven Melilla und Ceuta. In der Nacht zum Donnerstag waren an den Grenzanlagen von Melilla erneut sechs Afrikaner ums Leben gekommen. Mehr als 30 weitere wurden verletzt worden, als marokkanischen Grenzposten angesichts des Massenansturms das Feuer eröffneten. Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero sagte: “Es muss für uns eine Priorität werden, unsere Sicht auf den Mittelmeerraum und Afrika zu verändern. Und diese Änderungen unserer Sichtweise muss eine der Prioritäten der Europäischen Union werden.”

Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy war gestern zu Besuch in Libyen eingetroffen. Bei Gesprächen mit Staatschef Muammar al-Gaddafi und dem libyschen Innenminister stand das Thema Flüchtlinge ganz oben auf der Tagesordnung. “Wenn man die Dinge im Mittelmeerraum unter Kontrolle bringen will, müssen wir mit Algerien, Marokko, Tunesien und Libyen zusammenarbeiten. Andernfalls kann man gar nichts kontrollieren”, sagte Sarkozy.Das Flüchtlingsdrama vor den spanischen Nordafrika-Exklaven hat damit seit Ende August 14 Afrikaner das Leben gekostet. Wie das Beispiel der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa zeigt, ist die Flüchtlingswelle kein spanisches Problem allein. Mehr als 15.000 Bootsflüchtlinge wurden dort in den ersten neun Monaten des Jahres aufgegriffen. Nach schärferen Kontrollen vor Lampedusa sind die Menschenschmuggler, die versuchen, die Flüchtlinge nach Europa zu schleusen, aber inzwischen auf andere Routen ausgewichen.