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Syrischer Minister erschießt sich - er war zwanzig Jahre starker Mann im Libanon

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Syrischer Minister erschießt sich - er war zwanzig Jahre starker Mann im Libanon

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Der syrische Innenminister Ghazi Kanaan ist in seinem Büro tot aufgefunden worden. Wie die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, nahm sich der Politiker das Leben. Nach Regierungsangaben hat er sich erschossen. Kanaan, 63 Jahre alt, galt als wichtigster Politiker des Landes nach dem Präsidenten Baschar Al Assad. Er war bis 2002 zwanzig Jahre lang Chef des syrischen Geheimdienstes im Libanon. Er war erst vor drei Wochen vom UN-Sonderermittler, dem deutschen Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis, zum Mord am libanesischen Ex-Regierungschef Rafik Hariri befragt worden.

Im Juli hatte General Kanaan betont, er sei über das Attentat auf Hariri nicht im Geringsten informiert gewesen. Stunden vor seinem Tod dementierte er in einem Radio-Interview Berichte in libanesischen Medien, die ihn als korrupten Drogenboss dargestellt hatten. Er habe in der Befragung der UNO auch keine Kopien auf ihn ausgestellter Schecks von Hariri vorgezeigt. Der Bombenanschlag auf Oppositionspolitiker Hariri, bei dem im vergangenen Februar auch 20 weitere Personen starben, hatte im Libanon massive Proteste gegen die Vormachtstellung Syriens ausgelöst. Wachsender internationaler Druck hatte Syrien schließlich dazu gebracht, seine Truppen nach fast drei Jahrzehnten aus dem Nachbarland abzuziehen. Sonderermittler Mehlis wird das Ergebnis seiner Untersuchung Ende Oktober an UNO-Generalsekretär Kofi Annan übergeben. Syriens Präsident Assad kündigte an: Sollten Syrer in die Tat verwickelt sein, würden sie des Landesverrats angeklagt. Auf Betreiben der USA war Kanaans Auslandsvermögen für die Dauer der Ermittlungen eingefroren worden. Die Begründung: Er sei möglicherweise an illegalen Geschäften im Libanon beteiligt gewesen.