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Kaukasus - Unruheland

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Kaukasus - Unruheland

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Im Kaukasus wird seit ewigen Zeiten gekämpft.Mongolen, Georgier, Perser und Türker haben das Bergland beherrscht, ehe der Nordteil Ende des 18. Jahrhunderts vom russischen Zarenreich erobert wurde.Gekämpft wurde mal gegen die Unterdrückungspolitik aus dem fernen Moskau,mal waren es Nachbarschaftshändel.Mehr als 50 Völker leben hier.Turkvölker und indo-germanische, Moslems und Christen.Kabardino-Balkarien liegt am Nordabhang des Kaukasus, es hat etwa die Größe des deutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein.

Der bekannteste der hiesigen Konflikte ist jener um Tschetschenien, dessen Menschen part tout nicht russische Untertanen sein wollen.Das hat auch mit schlimmen historischen Erfahrungen zu tun.Diktator Stalin liess die Tschetschenen als angebliche Vaterlandsverräter nach Sibirien deportieren. Ein Schicksal, das auch das Volk der Balkaren erleiden musste. Die Überlebenden beider Völker durften erst nach Stalins Tod in ihre Heimat zurückkehren.

Der Tschetschenien-Konflikt ist so oder so aus dem Ruder gelaufen.Militärisch kann die Moskauer Zentralmacht nicht siegen.So verschleisst der Kreml einen Statthalter nach dem anderen, ohne etwas daran ändern zu können, dass die Menschen unter Korruption, Machtmißbrauch, Banditentum und schlichter Armut leiden. Im Westen erinnert man sich nur von Zeit zu Zeit an das ferne Elend, beispektakulären Gewaltakten wie der Geiselnahme von Patienten des Krankenhauses von Budjonnowsk im Sommer 1995. Selbst Menschenrechtsorganisationen verweisen inzwischen darauf, dass hier Bandenkriege stattfinden, dass die selbsternannten “Unabhängigkeitskämpfer” in den Menschenhandel mit entführten Geiseln verwickelt sind.

Noch nicht vergessen ist das Grauen von Beslan, wo vor einem Jahr Kinder bei der Einschulungsfeier überfallen wurden.Dass im rücksichtslosen Sturmangriff russischer Sicherheitstruppen auch noch Kinder starben, hat in der ganzen Region den Hass erneut angefacht.

Weil kein Volk in der Region aus seiner Armutsfalle herauskommt, haben es die Werber für einen religiös begründeten “heiligen Krieg” leicht, unter Jugendlichen ohne Arbeit und ohne Hoffnung ihre Gefolgsleute zu rekrutieren.Das ist in Kabardino-Balkarien nicht anders als in Tschetschenien oder wo sonst noch die Luft brennt im unruhigen Kaukasus.