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Belgischer Wissenschaftler zur Gefahr einer Pandemie

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Belgischer Wissenschaftler zur Gefahr einer Pandemie

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Mit der Verbreitung der Vogelgrippe – im deutschen Sprachraum auch “Geflügelpest” genannt – taucht auch das Schreckenswort “Pandemie” auf.Unter Pandemie versteht man eine Epidemie einer ansteckenden Krankheit, die sich nicht mehr auf ein Land oder eine Region beschränkt – sondern weltweit auftritt.An der Universität Löwen in Belgien beschäftigt sich der Wissenschaftler Patrick Goubau mit diesem Problem. Er sagt:“In den letzten drei Jahren gab es 60 Vogelgrippe-Tote,dagegen sterben in einem kleinen Land wie Belgien jedes Jahr 1.500 Menschen an der klassischen Influenza.Das Vogelgrippe-Virus kann vielleicht zu einer Pandemie führen – vielleicht aber auch nicht. Ich sage “vielleicht”, weil klar ist, dass wir die Geflügelinfektion in den Griff bekommen müssen. Sonst können sich Menschen anstecken. Das kann bis zu einem Austausch von Genen von tierischen und menschlichen Grippeviren führen. Eine Pandemie kann auch eine andere, völlig überraschende Ursache haben.”

Im rumänischen Dorf Cearmulia sind Tiere an Vogelgrippe erkrankt.Die Menschen rief man daraufhin zur Grippeschutzimpfung. Ist das die Lösung? Patrick Goubau meint dazu:“Kranke Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Lungenproblemen, Diabetiker, andere chronisch Kranke oder über 60Jährige sollten sich unbedingt impfen lassen. Und alle, die mit ihnen in Kontakt stehen. Auch Ärtze und Krankenpfleger sollten geimpft werden, gerade wenn sie ältere Menschen behandeln. Aber: Wenn wir jetzt allen empfehlen, sich impfen zu lassen, dann riskieren wir, dass gerade diese Gruppen nicht geimpft werden, weil uns vorher der Impfstoff ausgegangen ist. “ Die EU-Kommission hat die Mitgliedsstaaten aufgerufen, Vorräte an antiviralen Medikamenten wie “Tamiflu” anzulegen. Das ist keine Vorbeugung, die nimmt man bei ersten Anzeichen – wie ein Antibiotikum bei einer von Bakterien verursachten Krankheit. Der Wissenschaftler erklärt: “Ein Medikamentenvorrat in jedem einzelnen Staat würde nichts bringen – die Mengen müssten riesig sein und würden innerhalb von fünf Jahren ihre Haltbarkeit verlieren. Versteht man dagegen die Staaten als gemeinsames Ganzes, könnte man die Medikamentenvorräte immer dahin bringen, wo sie wirklich gebraucht werden. Das erfordert einerseits Verträge, die das Funktionieren sichern. Andererseits braucht es gegenseitiges Vertrauen, damit nationale Interessen auch dann nicht Überhand gewinnen, wenn es tatsächlich zum Ausbruch einer Pandemie kommt.”