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Prozeß gegen Saddam Hussein beginnt

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Prozeß gegen Saddam Hussein beginnt

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In diesem Raum beginnt am Mittwoch der erste Prozeß vor dem Sondertribunal gegen Saddam Hussein. Als erster der insgesamt 12 Angklagepunkte wird der Fall Dedscheel aufgerufen.1982 hatte der Diktator 143 Männer und Jungen aus diesem schiitischen Dorf hinrichten lassen. Als Rache für einen Attentatsversuch.

Das Interesse der Iraker hält sich in Grenzen.Angesichts des täglichen Überlebenskampfes verblassen die Erinnerungen an die Schrecken der Diktatur.Ein Passant hofft auf einen gerechten Prozeß, durch den vor allem den Menschen, die mehr als 30 Jahre unter diesem Diktator gelitten haben, Gerechtigkeit wiederfährt.“Der Prozeß wird weder gerecht noch fair ablaufen, weil dabei zuviele ethnische und andere Gruppeninteressen eine Rolle spielen”, meint ein anderer Passant. Natürlich sehen jene, deren Angehörige ermordet wurden, den Prozeß mit anderen Augen. Diese Familie zum Beispiel, deren Sohn 1984 verhaftet wurde und als verschwunden galt – bis nach Saddams Sturz dieses schreckliche Video auftauchte.“Wir haben immer gehofft, er würde noch leben”, sagt der Vater.“Erst dieses Video brachte die schmerzliche Gewißheit, dass er tot ist.” Wer kann das Leid einer Familie erfassen, der so das Sterben eines der Ihren vor Augen geführt wird! Die Tochter des Ermordeten spricht vom Schock beim Anschauen des Videos.Da wurden Menschen gezwungen, Benzin zu trinken, dann wurde auf sie geschossen.Andere Grausamkeiten sind so schlimm, dass sich die Zunge sträubt, darüber zusprechen.Der, der das alles befahl, steht ab Mittwoch vor seinen Richtern.Zum Gerichtssaal umgebaut wurde das Museum, im dem Saddam Hussein einst seine Staatsgeschenke bewundern ließ.