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Prozessbeginn gegen Saddam lässt Erinnerungen wachwerden

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Prozessbeginn gegen Saddam lässt Erinnerungen wachwerden

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Im Dorf Duscheel, 60 Kilometer nördlich von Bagdad, haben die Menschen heute anläßlich des Prozessauftaktes gegen Saddam Hussein der getöteten Nachbarn gedacht. Vor dreiundzwanzig Jahren war im Dorf ein Attentat auf Saddam Hussein verübt worden. Mitglieder einer schiitischen Untergrundbewegung hatten erfolglos auf seinen Fahrzeugkonvoi geschossen. Die Reaktion von Saddam Hussein war äußerst brutal. Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht und die Ernte auf den Feldern vernichtet. Mehr als 1.500 Dorfbewohner wurden willkürlich verhaftet und teilweise jahrlang interniert. 143 Menschen wurden hingerichtet, darunter vor allem Jugendliche.

Mitglieder meiner Familie wurden exekutiert und viele verhaftet,” berichtet Haider Bare Abbas. “Einige kamen 1986 frei, andere sind nie zurückgekommen. Ganze Familien wurden in ein Internierungslager in der Wüste gesteckt. Frauen und Kinder kamen erst nach mehreren Jahren frei, viele Jugendliche blieben inhaftiert.” So gut wie jede Familie in Dujail wurde nach den Verhaftungen betroffen. Von den sieben Brüdern Um Ahmeds kam keiner von der Verfolgung durch Saddams Schergen zurück. Sie selbst, sowie ihre blinde Mutter, ihre Schwester und Schwiegermutter wurden damals verhaftet. Sie will deshalb, dass Saddam zur Rechenschaft gezogen wird und fordert für ihn die Todesstrafe. Auch Saleh Kadhim al-Mussawi hat seine vier Söhne durch die Strafaktionen verloren. Mit Spannung erwartet auch er, welches Urteil die irakische Justiz über den Ex-Diktator fällen wird.