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Bill Gates von Indien: Unternehmer Murthy fordert freien und fairen Handel

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Bill Gates von Indien: Unternehmer Murthy fordert freien und fairen Handel

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Er begann 1999 mit einem kleinen Software Unternehmen und einem Startkapital von rund 250 Dollar. Heute ist Narayana Murthy der Vorstandsvorsitzende von Infosys, einem der besten Beispiele für den wirtschaftlichen Aufschwung in Asien. Mr. Murthy´s Unternehmen ist die Nummer 1 in Bangalore, dem indischen Gegenstück zum amerikanischen Silicon Valley. Die Lobby der Geschäftsleute wie Murthy geben die politische Richtung in ihrem Land vor: im Handel, der Wirtschaft und sogar der Außenpolitik.

EuroNews:“Ihr Unternehmen macht 98 % seiner Einnahmen außerhalb Indiens und besitzt mehr als 15 Vertretungen im Ausland. Damit gehört ihre Firma zu den weltgrößten der Branche. Sehen Sie sich selbst als eine Art neuer Bill Gates ?” Murthy:“Nein ! Das wäre auch nicht fair Bill Gates gegenüber. Er ist der weltgrößte Unternehmer. Ich bin klein im Vergleich zu ihm. Aber, weil ich der erste in der Sparte der neuen Technologien war, der ein großes Unternehmen in Indien aufgebaut hat und viele Menschen im Betrieb nun sehr viel Geld verdienen, nennt man mich vielleicht so.” EuroNews:“Nur 5 % der Inder profitieren vom Boom der neuen Technologien …” Murthy:“Es ist die Software Industrie, die demonstriert, das Indien in der Lage ist, Spitzenprodukte und Dienstleistungen zu entwickeln. Das ist der erste Nutzen, den wir durch diese Branche gewinnen. Der zweite Aspekt: Die Software- Industrie beweist, dass wir in der Lage sind, weltweit Arbeitsplätze zu schaffen. Das ist ein Anspruch unseres Landes. Drittens haben wir aufgezeigt, dass wir ein Unternehmen führen können, das zu den rechtlichen und moralischen Grundsätzen Indiens steht und den Prinzipien der Marktwirtschaft folgen kann. Viertens: Weil die Leute in unserer Branche gut verdienen und deswegen viel Geld ausgeben können, kurbeln sie die Wirtschaft an: Sie gehen in Restaurants, ins Theater, kaufen Autos und Kleidung – mit anderen Worten: sie schaffen Arbeitsplätze.” EuroNews:“Was erwarten Sie von der nächsten Runde bei der Welthandelsorganisation ?” Murthy:“Ich erwarte zunächst einmal, dass wir uns von einem freien Handel zu einem fairen und freien Handel weiterentwickeln. Ich erwarte, dass die USA und Europa ihre Subventionen für die Landwirtschaft reduzieren. Ich hoffe, dass sich Länder wie Indien, Brasilien und Südafrika dafür einsetzen, diese Ziele voranzutreiben. Ich hoffe, das auch unsere Regierung zu einem besseren Dienstleister wird, damit Bürger aus Indien einfacher nach Westeuropa kommen um ihr Wissen in die Betriebe zu bringen.” EuroNews:“Sie glauben also, dass es nun bei der WTO vorrangig um die Dienstleistungen und nicht um die Landwirtschaft gehen wird ?” Murthy: “Die indischen Diplomaten werden auf die Landwirtschaft setzen, weil der größte Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeitet. Aber mehr und mehr Inder finden den Weg ins Dienstleistungsgewerbe. Beides ist wichtig. Wenn es für meine Landsleute reibungslos möglich würde, in ein anderes Land zu gehen, dann wäre dies ein großer Schritt vorwärts. Dann können wir eine Menge Wissen in europäische Unternehmen bringen. Die Landwirtschaft hat viel gelitten, die Wachstumsrate in dieser Branche ist gesunken. Die meisten unserer Einwohner, ungefähr 650 Millionen von ihnen, leben in ländlichen Gebieten. Sie verdienen weniger Geld also noch vor Jahren. Sie fragen sich: Soll das nun Globalisierung sein ? Öffnet dies Grenzen ? Ist das die Welthandelsorganisation ? Sie sind sehr, sehr erbost darüber.”