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Unruhen in Pariser Vorstädten als Nagelprobe für französische Regierung

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Unruhen in Pariser Vorstädten als Nagelprobe für französische Regierung

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Die anhaltenden schweren Unruhen in mehreren Pariser Vororten belasten auch die französische Regierung. Premierminister Dominique de Villepin rief am Mittwoch morgen das Kernkabinett zu einer Krisensitzung zusammen. Innenminister Nicolas Sarkozy gerät unterdessen wegen seiner scharfen Äußerungen immer mehr unter Druck – so forderte er etwa ein “entschiedenes Durchgreifen gegen das Gesindel”. Im Parlament versuchte Villepin dennoch, regierungsinterne Einigkeit zu demonstrieren: “Die ganze Regierung ist bei der Arbeit”, sagte er. “Es hat oberste Priorität, die öffentliche Ordnung unverzüglich wieder herzustellen.”

Auch in der Nacht zum Mittwoch kam es in mehreren Gemeinden um Paris wieder zu schweren Ausschreitungen. Jugendliche Randalierer steckten fast 130 Autos in Brand; auch zahlreiche Müllcontainer und ein Teppichgeschäft gingen in Flammen auf. Hunderte Polizisten und Feuerwehrmänner waren im Einsatz, 34 Jugendliche wurden festgenommen. Die Lage sei äußerst angespannt, hieß es aus Polizeikreisen. Die Jugendlichen selbst sehen sich als Opfer und Ausgestoßene: “Sarkozy hat uns herausgefordert und das hätte er nicht tun sollen”, meint einer von ihnen. “Alle Viertel sind solidarisch – es wird noch sehr schlimm.” – “Gebt uns mehr Möglichkeiten, dann stoppen wir die Aktionen”, meint ein anderer. “Gebt uns Arbeit, redet mit uns, gebt uns die Chance, uns auszudrücken.” Begonnen hatten die Unruhen am vergangenen Donnerstag in Clichy-sous Bois mit dem Tod zweier Jugendlicher: Sie glaubten sich von der Polizei verfolgt und überkletterten die Absperrung eines Transformators, wo sie von Stromschlägen getötet wurden. Der französische Innenminister Sarkozy hatte den Eltern der Jugendlichen ein Treffen angeboten – diese lehnten jedoch ab.