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Warum brennen Frankreichs Vorstädte?

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Warum brennen Frankreichs Vorstädte?

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“ Reicht es euch noch nicht mit dem Gesindel?”, rief Innenminister Nicola Sarkozy zu den Anwohnern an den offenen Fenstern im “heissen Viertel” von Clichy-sous-Bois zu. Scharfe Worte, die auch falsch interpretiert wurden, von einigen mit Absicht. Mit “Gesindel “ meinte Nicola Sakorzy die Bandenchefs, die sogenannten “caids”, die Drogenhändler, jene, die an der Schattenwirtschaft in den Vorstädten verdienen – und die ein Interesse daran haben, den Staat aus ihrer Einflußsphäre herauszuhalten. Und auf die will der Minister seine Polizei ansetzen.

Der Tod von zwei Jugendlichen im Transformatorhäuschen war nicht der Grund für die Ausschreitungen, es war nur ein Anlass, wie er den Bossen im Viertel gelegen kommt. So können sie wieder einmal die Jugendlichen dazu aufhetzen, Feuerwehren mit Molotow-Cocktails zu bewerfen oder Notarztwagen die Reifen aufzuschlitzen.

Dass sich die Minister über Maßnahmen gegen die Gewalt streiten, hilft den Leuten in den nur aus Sozialwohnungen bestehenden Vierteln wenig.Hier zünden schon 10jährige die Autos ihrer Nachbarn an. 2.500 in der Pariser Region in einem Jahr. Wer das tut und dann noch die Bilder in Fernsehen sieht, fühlt sich plötzlich wichtig, erstmals in seinem Leben ernst genommen, sagen Sozialarbeiter, die täglich mit diesen Kindern und Jugendlichen zusammen sind.Auf die Frage, ob sie verstehe, warum die Jugenlichen das tun, antwortet eine Nachbarin:” Weil alle es tun. Weil sie nichts Besseres zu tun haben, keine Arbeit, enge Wohnverhältnisse….”

Der Bürgermeister von Clichy-sous-Bois, wo die aktuellen Ausschreitungen ihren Anfang hatten, legt den Finger auf die Wunde, wenn er verlangt, die französische Gesellschaft solle aufhören mit der Heuchelei, über Regelungen für diese Zonen sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Probleme so zu reden, als gäbe es den eigentlichen Sprengstoff nicht.Der wurde schon in den 60er und 70er Jahren angehäuft, als diese Hochhausgettos für die Arbeiter aus Frankreichs ehemaligen Kolonien gebaut wurden.Deren Familien sollten billig untergebracht werden, von Integration war erst viel später die Rede – als es für viele dieser Menschen schon zu spät war. Seither wird in diesen “Cites” soziale Ungleichheit reproduziert.