Eilmeldung

Eilmeldung

Frankreich: Randalierer im Schnellverfahren abgeurteilt

Sie lesen gerade:

Frankreich: Randalierer im Schnellverfahren abgeurteilt

Schriftgrösse Aa Aa

Die Krawalle in Pariser Einwanderervorstädten haben mit Schüssen auf Polizisten einen neuen Höhepunkt erreicht. In La Courneuve und zwei weiteren Vorstädten seien Polizisten und Feuerwehrbeamte mit scharfer Munition beschossen worden, teilte die Polizei mit. Verletzungen habe es aber nur durch Steinwürfe gegeben. In der siebten Nacht in Folge waren wieder zahlreiche Fahrzeuge in Flammen aufgegangen.

Ein Schwerpunkt war das Departement Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris, wo es in 20 der 40 Gemeinden zu Ausschreitungen kam. Allein hier zählte die Polizei 177 ausgebrannte Autos. Vermummte Randalierer verwüsteten ein Einkaufszentrum sowie Geschäfte, Schulen und eine leere Polizeiwache. Auch eine Sporthalle wurde angezündet. Mehrere Randalierer im Alter zwischen 18 und 28 Jahren wurden von der französischen Justiz in Schnellverfahren zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt.

Eine Anwohnerin spricht von einer tiefen Verunsicherung unter den Franzosen ausländischer Herkunft. Es gebe keinen Dialog und keine Kommunikation mit den staatlichen Stellen mehr. Die Menschen fühlten sich im Stich gelassen, in die Ecke gestellt. Und das habe zu den Ausschreitungen geführt. Die Regierung berief eine Krisensitzung ein. Innenminister Nicolas Sarkozy zeigte sich überzeugt davon, dass weniger Fahrzeuge in Brand gesteckt würden, sobald die Randalierer verstehen würden, dass die Gewaltakte nicht toleriert würden und bestraft werden.

Während die Regierung ihre Strategie der “Null Toleranz” fortsetzen will, riefen in Clichy-sous-Bois der Bürgermeister und die muslimische Gemeinde gemeinsam dazu auf, die Eskalation der Gewalt zu beenden. In anderen Gemeinden demonstrierten Bürger mit Schweigemärschen gegen die Krawalle. Die Gewerkschaft der Polizei kritisierte die “politische Instrumentalisierung” der Gewalt durch die Politik.