Eilmeldung

Eilmeldung

Generalsekretär: Islamische Konferenz für Moslem-Zentralräte

Sie lesen gerade:

Generalsekretär: Islamische Konferenz für Moslem-Zentralräte

Schriftgrösse Aa Aa

Ekmeleddin Ihsanoglu ist Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz – der erste Türke auf dem prestigeträchtigen Posten. Die Organisation besteht seit 1969, unter den 57 Mitgliedern sind Staaten wie Irak, Iran, die palästinensischen Autonomiegebiete und Afghanistan. Hauptziele: Die Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten zu festigen und die Palästinenser zu unterstützen. EuroNews sprach mit Professor Ihsanoglu, als er Anfang Oktober den Europarat in Straßburg besuchte, um für Verständnis zu werben zwischen Europa und der islamischen Welt.

Ihsanoglu bekräftigte die Absicht seiner Organisation, Beobachter zu den Wahlen in den Palästinensergebieten zu schicken – sie unterstützt die Teilnahme der radikalen Palästinenserorganisation Hamas am demokratischen Prozess. Auch zu den Wahlen in Tschetschenien werden vermutlich Beobachter. Er verurteilte alle Formen des islamistischen Terrorismus. Am 7. und 8. Dezember treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Islamischen Konferenz in Mekka. Thema des Sondergipfels: Die neuen Herausforderungen des Islam. EuroNews: “Die Urheber der Terroranschläge in London sind in Großbritannien geboren. Was sagt uns das über die Radikalisierung der Muslim-Gemeinden in Europa ?” Ekmeledin Ihsanoglu: “Das ist eine sehr traurige Sache. In einem Brief an Premierminister Tony Blair habe ich unser Bedauern darüber ausgedrückt. Und wir verurteilen diese Taten, wir verurteilen alle Terrorakte. Die europäische Öffentlichkeit soll wissen, daß der Islam eine friedliebende Religion ist. Es gibt keine einzige Glaubensrichtung im Islam, keine ethischen Werte, die erlauben, andere umzubringen. Grundsätzlich ist es verboten zu töten. Wer jemanden umbringt, begeht ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Leute, die sich dafür hergeben, andere zu töten, haben mit dem Islam nichts zu tun. Wir isolieren sie, wir klagen sie an. Sie vertreten die islamische Welt nicht. Sie haben mit der Welt des Islam nichts zu tun. Diese Leute benutzen den Islam, weil sie das für populär halten. Sie rechtfertigen sich damit. Das ist eine ausschließlich politische Angelegenheit.” EuroNews: “Was tut Ihre Organisation, um Terrorismus zu bekämpfen oder zu verhindern ?” Ihsanoglu: “Wir laden die UNO zur Zusammenarbeit ein, dazu alle internationalen Organisationen, die Europäische Union, den Europarat. Wir müssen definieren, was Terrorismus ist, und ein internationales Maßnahmenpaket zur Bekämpfung entwickeln. Allein kann keiner damit fertigwerden – kein einzelner Staat, keine einzelne Institution. Terrorismus ist ein universelles Phänomen. Er ist überall. Das gilt nicht nur für die muslimische Welt, es gibt ihn in Sri Lanka, es gab ihn jahrelang in Irland, in Spanien. Er ist überall. Der Kampf gegen dieses allgegenwärtige Phänomen erfordert leider eine universelle gemeinsame Anstrengung.” EuroNews: “UN-Generalsekretär Kofi Annan hat einen sogenannten “Dialog der Kulturen” vorgeschlagen. Was halten Sie von diesem Projekt, das sich Türken und Spanier als erste ausgedacht haben ?” Ihsanoglu: “Der Dialog der Kulturen war jahrelang eines unserer wichtigsten Arbeitsgebiete. Die Islamische Konferenz trat als erste Organisation für diesen Dialog ein. Es war ein Ergebnis ihrer Initiative, daß die Vereinten Nationen das Jahr 2001 zum Jahr des Dialogs zwischen den Kulturen erklärten.” EuroNews: “Die europäischen Regierungen hätten gern einen einzigen Ansprechpartner, der die Moslem-Gemeinden vertritt. In Frankreich zum Beispiel gibt es einen islamischen Zentralrat. Finden Sie das gut ?” Ihsanoglu: “Wir unterstützen das – vorausgesetzt, diese Räte repräsentieren wirklich all die verschiedenen Gruppen. Nach meiner Meinung ist das ein Weg zu besseren Beziehungen zwischen den Muslim-Gemeinden in Ländern wie Frankreich, Deutschland oder England, wo es sehr viele Gemeinden gibt.” EuroNews: “Wie können die europäischen Moslem-Gemeinden außerdem noch besser integriert werden ?” Ihsanoglu: “Für mich zählen da vor allem ein besseres Verständnis und mehr Respekt. Wo es Respekt und Verständnis für den anderen gibt, kann man für alle Probleme eine Lösung finden.”