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Justizskandal in Frankreich

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Justizskandal in Frankreich

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Die französischen Behörden haben sich im Kinderschänderprozess von Outreau zu einer der grössten Justizkatastrophen der französischen Nachkriegszeit bekannt. Sechs der ursprünglich 17 Angeklagten des Kinderschänderprozesses von Outreau aus dem Jahr 2004 sind jetzt in einem Berufungsverfahren in Paris freigesprochen worden. Ein Angeklagter hatte während der jahrelangen Untersuchungshaft Selbstmord begangen. Bereits in erster Instanz waren sieben Angeklagte freigesprochen worden. Die zu Unrecht Verurteilten hatten von Anfang an ihre Unschuld beteuert.

“Das Alles hätte niemals geschehen dürfen, wenn wir eine verantwortungsbewusste Justiz hätten,” sagte der freigesprochene Geistliche Dominique Wiel. Die Anklage hatte nur auf den Aussagen der hauptangeklagten Mutter beruht. Im Berufungsverfahren gab sie jetzt zu, Alles erlogen haben. Nur sie, ihr Mann und ein benachbartes Ehepaar seien an den sexuellen Übergriffen beteiligt gewesen. Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin drückte sein tiefes Bedauern über die Affäre aus und entschuldigte sich im Namen der Regierung und des französischen Staates bei den zu Unrecht Angeklagten und ihren Familien. Die Kinder waren von 1995 bis 2000 im nordfranzösischen Outreau missbraucht worden. Die Vorgänge waren im Dezember 2000 nach der belgischen Dutroux-Affäre bekannt geworden. Zeitweise vermutete die Justiz einen französisch-belgischen Pädophilenring hinter den Taten.