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Indio Favorit bei Wahlen in Bolivien

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Indio Favorit bei Wahlen in Bolivien

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In Bolivien haben Präsidenten-, Parlaments- und Gouverneurswahlen begonnen. Als Favorit gilt mit Evo Morales erstmals in der Geschichte des instabilen Andenstaates ein Indio. Der Sozialist könnte Umfragen zufolge 35 Prozent der Stimmen bekommen. Vor allem die verarmten Koka-Bauern setzen auf Morales, der für die Legalisierung des Koka-Anbaus und die Verstaatlichung der bedeutenden bolivianischen Energiereserven eintritt.

Morales stärkster Konkurrent ist der Mitte-Rechts-Kandidat und frühere Interimspräsident Jorge Quiroga. Beide Kandidaten dürften die erforderliche absolute Mehrheit verfehlen und sich deshalb im Januar einer Stichwahl im Parlament stellen müssen. In diesem Fall könnte ein dritter Kandidat zum Zünglein an der Waage werden: der Zement-Millionär Samuel Doria Medina. Er kündigte an, den Kandidaten unterstützen zu wollen, der in der ersten Runde mindestens mit fünf Prozent Vorsprung an erster Stelle stehe.

Bolivien verfügt nach Venezuela über die größten Erdgasvorkommen Südamerikas. Die Bevölkerung profitiert davon jedoch kaum. Der Streit um Rohstoffe führte zu mehreren Unruhen und Regierungswechseln. Auch die aktuellen Wahlen waren notwendig geworden, nachdem seit 2002 zwei Präsidenten zurückgetreten waren und das Land nur noch von einem Interimspräsidenten regiert wurde.

Die Bekämpfung der Armut, in der mehr als 63 Prozent der neun Millionen Bolivianer leben, und die gerechtere Verteilung der Einnahmen aus der privatisierten Erdgasindustrie waren Hauptthemen im Wahlkampf.