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Bolivien: Sozialist Evo Morales vorn - erstmals ein Indio als Präsident?

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Bolivien: Sozialist Evo Morales vorn - erstmals ein Indio als Präsident?

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Offiziell ist es noch nicht, aber es sieht ganz danach aus, als stehe erstmals ein Indio an der Spitze eines lateinamerikanischen Staates. Der Gewerkschaftsführer Evo Morales hat die Präsidentschaftswahl in Bolivien Teilergebnissen zufolge gewonnen. Der 46jährige erlangte offenbar in der ersten Runde überraschend die absolute Mehrheit. Im ganzen Land feierten seine Anhänger.

Der Sozialist und Koka-Bauer hatte im Wahlkampf die Legalisierung des Koka-Anbaus und die Verstaatlichung der bedeutenden Erdgasindustrie versprochen. Mit Kritik an den USA sparte er nicht, als seine Vorbilder nannte er die Präsidenten Kubas und Venezuelas. Sein schärfster Rivale, der Mitte-Rechts-Kandidat Jorge Quiroga, gestand seine Niederlage ein und gratulierte Morales zum Sieg. Der wirtschaftsliberale frühere Interimspräsident kam nur auf etwas mehr als 30 Prozent der Stimmen. Er erklärte, in der bolivianischen Demokratie beginne nun ein neuer Abschnitt. Der neue Staatschef hat keine einfache Aufgabe vor sich. Wegen des Streits um die Rohstoffreserven und der ungelösten sozialen Frage war es in Bolivien immer wieder zu Revolten der verarmten Bevölkerung gekommen, die mehrere Regierungswechsel bewirkten. Neben der Präsidentschaftswahl fanden in dem Andenstaat auch Parlaments- und Gouverneurswahlen statt. Im Parlament kam die linke Bewegung MAS von Evo Morales auf rund die Hälfte der Sitze. Die etwa 200 ausländischen Wahlbeobachter sprachen von einer ruhigen und fairen Abstimmung. Allerdings gab es Klagen, dass namen aus Wählerverzeichnissen gestrichen worden sein sollen.