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Prozess in Belgrad gegen mutmaßliche Beteiligte von Srebrenica

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Prozess in Belgrad gegen mutmaßliche Beteiligte von Srebrenica

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Mehr als 10 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica müssen sich in Belgrad fünf ehemalige Mitglieder der serbischen Milizeinheit “Skorpione” vor einem Kriegsverbrechergericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, sechs bosnische Muslime ermordet zu haben, während ein Kamerad das Geschehen auf Video festhielt. Zahlreiche Familienangehörige und Freunde der Opfer kamen nach Belgrad, um den Prozess zu verfolgen. Sie trafen auch mit dem serbischen Ankläger für Kriegsverbrechen zusammen. Dieser kündigte neue Anklagen gegen alle für die Morde von Srebrenica Verantwortlichen an.

Die fünf Angeklagten waren identifiziert worden, als die Videoaufnahmen im Juni vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gezeigt wurden. Ein weiterer Verdächtiger befindet sich noch auf der Flucht. Aufgenommen wurde das Video imJuli 1995. Die “Skorpione” wollten festhalten, was sie wohl als Triumph empfanden. In den Uniformen steckten keine regulären Soldaten, sondern Para-Militärs. Die “Skorpione” setzten sich aus Angestellten oder Familienvätern zusammen – oder aus arbeitslosen jungen Männern in einer nationalistisch aufgeheizten Zeit. Azmir war erst 13 Jahre alt, als er vor Srebrenica den “Skorpionen” in die Hände fiel – und seine Mutter trauert immer noch. “Ich will ihnen in die Augen sehen”, sagt sie, “ich will ihnen sagen: Schämt euch! Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr sehen müsstet, wie eure Kinder gequält wurden?” 20 Kopien machten die “Skorpione” von ihrem Video, um unter Kameraden ihre Heldentaten vorzuführen. Als ihr Kommandeur das erfuhr, liess er diese Beweise von Verbrechen vernichten. Übrig blieb nur ein Exemplar, das nun von den Gräueltaten berichtet. Aber die Blutspur der Männer mit den roten Baretten lässt sich bis ins Kosovo verfolgen. 1999 wurde nahe dem Dorf Podujevo ein Massengrab entdeckt. Zwei der “Skorpione” wurden dafür vor Gericht gestellt. Eine serbische Menschenrechtsaktivistin hatte inzwischen von der Existenz des Videos mit den Morden erfahren. Im Mai 2005 gab sie dem Staatsanwalt in Belgrad eine Kopie, aber nichts geschah. Also wandte sie sich an das internationale Kriegsverbrechertribunal. Danach wurde der Mordbeweis auch im serbischen Fernsehen gezeigt. Seither melden sich bei der Staatsanwaltschaft immer neue Zeugen. Und womöglich verändert das Video bei so manchem Serben auch das Bild von Ratko Mladic, der sich nach wie vor auf der Flucht befindet.