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Wer kommt nach Scharon?

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Wer kommt nach Scharon?

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“Der Bulldozer” wurde er oft genannt – zuletzt, als er nach seinem leichten Schlaganfall im Dezember zur wöchentlichen Kabinetts-Sitzung kam, so als sei nichts gewesen. Doch diesmal ist es anders: Ärzte und politische Vertraute gehen davon aus, dass Ariel Scharon sein Amt als Ministerpräsident nie mehr wird ausüben können, selbst wenn er die kommenden Tage überleben sollte. Er hinterläßt ein Machtvakuum, denn um seine Nachfolge hatte er sich bis jetzt nicht gekümmert.

Vor gut einem Jahr begann der Anfang vom Ende seiner Karriere in der Likud-Partei: Die Knesset stimmte für den von Scharon vorangetriebenen Rückzugsplan aus dem Gaza-Streifen. Er ging als Sieger aus der Abstimmung hervor, seine Partei jedoch war tief gespalten. Und so entschloss sich Scharon zu einem für ihn schwierigen Schritt: Er bat Staatspräsident Mosche Katsav umd die Auflösung des Parlamentes und um Neuwahlen.

Er trat aus dem Likud-Block, den er selbst mit begründet hatte, aus und gründete eine eigene Partei mit dem Namen KADIMA, auf Deutsch: “Vorwärts”. Von Beginn an sahen alle Meinungsumfragen KADIMA als den Sieger der für Ende März angesetzten Parlamentswahlen. Etwa ein Drittel der Wähler würden sich für die “Vorwärts-Partei” und Scharon entscheiden, schrieben Zeitungen. Denn die meisten Israelis schätzten es, dass Scharon einen politischen Wandel zum Realpolitiker durchgemacht hatte.

So sagte ein Mann: “Ichglaube, er hat realisiert, dass echte Politik staatliche Grenzen erfordert, die sie verteidigen kann. Und dass wir die Idee eines “großen Israel” aufgeben müssen.” Doch nun stellt sich die Frage: Wer könnte Scharons Rolle übernehmen, wen soll die Kadima als Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten aufstellen? Als Favorit gilt Ehud Olmert, Scharons Stellvertreter. Außerdem werden die derzeitige Justizministerin Tzipi Livni und Verteidigungsminister Schaul Mofas genannt.

Nicht zuletzt ist es auch möglich, dass der ehemalige Ministerpräsident Shimon Peres noch einmal für das Amt kandidieren wird. Er war seinem füheren Rivalen Scharon in die neue Partei gefolgt und hatte dafür seine Arbeitspartei verlassen. Doch ob KADIMA ohne Scharon die Wahlen für sich wird entscheiden können, bleibt ungewiss. Und wie sich die politische Linie der Partei entwickeln wird, ist zur Zeit mindestens genau so ungewiss…