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Britische Liberaldemokraten beraten über Wahl eines neuen Parteiführers

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Britische Liberaldemokraten beraten über Wahl eines neuen Parteiführers

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Der Parteivorstand der britischen Liberaldemokraten ist heute in London zu Beratungen über die Wahl eines neuen Parteiführers zusammengekommen.Der bisherige Amtsinhaber Charles Kennedy war am vergangenen Wochenende zurückgetreten. Zuvor hatte er bestätigt, eine zeitlang ein Alkoholproblem gehabt zu haben, das er jedoch mit einer Therapie bewältigt habe. Kennedy war in seiner Partei in jüngster Zeit zunehmend unter Druck geraten, – nicht wegen seines nun zugegebenen Alkoholproblems, sondern weil er als führungsschwach galt. Einen Rücktritt hatte er zunächst abgelehnt, doch schließlich gab er dem Druck der großen Mehrheit seiner Fraktionskollegen nach. Einziger Kandidat für Kennedys Nachfolge war zunächst sein bisheriger Stellvertreter Sir Menzies Campbell, doch manche Parteiaktivisten werfen ihm Illoyalität gegenüber Kennedy vor. Als ein möglicher weiterer Kandidat galt Simon Hughes, der gegenwärtig das eher repräsentative Amt des Parteipräsidenten innehat. Mitglieder der Partei wünschten eine Wahl des Parteiführers, sagte Hughes, denn Kennedy sei auf Druck seiner Fraktionskollegen zurückgetreten, nicht infolge einer Abstimmung an der Basis; die Mitglieder würden nun selbst bestimmen wollen, wie es weitergehen solle, und Wahlen seien immer besser als Krönungen, besonders in der Demokratie.Auch der mögliche dritte Kandidat Mark Oaten, der innenpolitische Sprecher der Partei, sprach sich für eine Wahl aus. Das Amt des Parteiführers ist das höchste bei den britischen Parteien, und bei allen im Unterhaus vertretenen Parteien ist es mit dem Amt des Fraktionschefs identisch, beziehungsweise bei der Regierungspartei mit dem Amt des Premierministers. Traditionell wählten deshalb die Fraktionen den Parteiführer; die Beteiligung der Basis kam erst in den Neunziger Jahren auf.