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Streit um Papst-Attentäter: Türkischer Justizminister will gegen Freilassung vorgehen

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Streit um Papst-Attentäter: Türkischer Justizminister will gegen Freilassung vorgehen

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Nach 25 Jahren Haft ist der Papst-Attentäter Ali Agca wieder auf freiem Fuß. Er wurde am Vormittag vorzeitig aus dem Kartal-Gefängnis in Istanbul entlassen. Vor der Haftanstalt warteten zahlreiche Medienvertreter und Schaulustige. Als der Wagen mit dem Freigelassenen an ihnen vorbei fuhr, warfen seine Verwandte und Freunde Blumen.

Der 48jährige wurde sofort in ein Musterungsbüro gefahren, da er nun seinen Wehrdienst antreten soll. Agca hatte wegen des Attentats auf Johannes Paul des Zweiten fast 20 Jahre in einem italienischen Gefängnis eingesessen. Nach seiner Begnadigung musste er wegen zwei Raubüberfällen und des Mordes an einem bekannten türkischen Journalisten eine weitere Haftstrafe in Istanbul verbüßen, zu der er in Abwesenheit verurteilt worden war.

Die Familie des von Agca getöteten Chefredakteurs der Lieberaalen Tageszeitung Milliyet hatte sich bis zuletzt gegen die Entlassung gewehrt. Agca gehörte in den siebziger Jahren der türkischen rechtsradikalen Gruppierung der “grauen Wölfe” an, die insgesamt etwa 5000 Menschen umgebracht haben soll. Daher protestierte eine Gruppe linksgerichteter Demonstranten vor dem Gefängnis gegen seine Freilassung.Im Mai 1981 hatte Agca auf dem Petersplatz in Rom mit einer Pistole mehrere Schüsse auf Papst Johannes Paul den Zweiten abfeuert. Das Kirchenoberhaupt erlitt lebensgefährliche Verletzungen am Magen.

Karol Woytila vergab Agca bereits im Krankenbett, zwei Jahre später besuchte er seinen Attentäter im Gefängnis. Allerdings könnte es sein, dass Agca bald doch wieder hinter Gitter kommt. Der türkische Justizminister Cemil Cicek kündigte eine Überprüfung der Entlassung durch den Ostersten Gerichtshof an.