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Marokkos Wahrheitskommission legt Abschlussbericht in Brüssel vor

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Marokkos Wahrheitskommission legt Abschlussbericht in Brüssel vor

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Bei der Aufarbeitung seiner blutigen Vergangheit findet Marokko breite Unterstützung der EU. Der Chef der nach südafrikanischem Vorbild gegründeten Wahrheitskommission, Driss Benzekri, legte nun in Brüssel seinen Abschlussbericht über vierzig Jahre Machtmissbrauch im Königreich Marokko vor. Ein Menschenrechtsrat unter seinem Vorsitz soll für Entschädigung der Opfer von Folter und Verschleppung sorgen.

“Der Konsultativrat für Menschenrechte wird die Untersuchungsergebnisse praktisch umsetzen: Entschädigung, sozioökonomische Programme für den gesellschaftlichen Wiederaufbau – wir nennen das Reparationsleistungen auf Gemeindeebene für bestimmte Regionen. Dann sind Reformen nötig, um bestimmte demokratische Prinzipien zu achten. Und über die Verfassungsreform und Gesetzesänderungen muss mit der Legislative, also dem Parlament, der politischen Klasse, debattiert werden.”

Die Kommission empfiehlt vor allem die Umsetzung echter Gewaltenteilung und die Einrichtung einer unabhängigen Justiz.

Nach dem Tod seines Vaters Hassan des Zweiten hatte Thronfolger Mohammed der Sechste in einem beispiellosen Tabubruch die Wahrheitskommission eingesetzt. In öffentlichen, vom Fernsehen übertragenen Anhörungen kamen die Opfer zu Wort.

In den vierzig Jahren nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 waren tausende Regimegegner verschleppt und gefoltert worden. Häftlinge starben unter unmenschlichen Bedingungen in überfüllten Gefängnissen.