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Mohammed und die Pressefreiheit

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Mohammed und die Pressefreiheit

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Wie bei den meisten Skandalen begann es auch hier recht harmlos: In Dänemark suchte ein Autor einen Zeichner, der sein Buch über den Propheten Mohammed illustrieren sollte. Er fand keinen, nicht zuletzt wegen des im Islam geltenden Verbots, den Religionsstifter abzubilden. Die Zeitung “Jyllands-Posten” machte daraus eine Story über das, was man im Blatt die “weltweite islamische Zensur” nannte. Der Rest ist bekannt. Proteste und Gegenproteste. Botschafter wurden abberufen. Zeitungen anderer Länder haben aus Solidarität die Mohammed-Karikaturen nachgedruckt. Droht dem Chefredakteur, der die Blasphemie in die Welt setzte, jetzt das Schicksal des holländischen Filmemachers Theo van Gogh? Der hatte seine provokante Kritik an der Gewalt gegen Frauen in der islamischen Gesellschaft mit dem Leben bezahlt. Im November 2004 wurde er auf offener Straße niedergestochen, von einem Mann islamischen Glaubens, der vor Gericht angab, er habe aus religiösen Gründen getötet.

Vielleicht wird der dänische Chefredakteur jetzt auch mit Bodygards leben müssen wie die niederländische Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali, die das Szenario zu van Gogh’s Film geschrieben hatte. Oder es geht ihm wie dem Dichter Salman Rushdie, gegen den Islam-Gelehrte eine Todesdrohung aussprachen. Wird er dann reagieren wie Rushdie, der hinterher von einer zehn Jahre andauernden Deformation seines Lebens sprach, von Freunden, die bedroht wurden, von lieben Menschen, die getötet wurden. Im Falle Rushdie galt der tödliche Hass noch einem einzigen Menschen, während jetzt Bewaffnete vor der EU-Vertretung in Gaza Dänen, Norweger und Franzosen zu Feinden erklärten.