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Interview mit dem iranischen Außenminister Mottaki

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Interview mit dem iranischen Außenminister Mottaki

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Die Welt hat nichts zu befürchten vom Atomprogramm des Iran: So lautet die Botschaft des iranischen Außenministers Manutschehr Mottaki. Euronews sprach mit ihm in Brüssel – eine Woche, bevor die Internationale Atomenergie- Behörde entscheidet, ob sie die Angelegenheit an den UN-Sicherheitsrat überweist. Russland hatte als Kompromiss vorgeschlagen, die Urananreicherung für den Iran in russischen Anlagen durchzuführen.

Euronews:
Sie haben gesagt, dies sei die Zeit für Verhandlungen, nicht für Drohungen. Was meinen Sie damit?

Mottaki:
Als wir im vergangenen September in New York mit der Verhandlungs-Troika der EU zusammentrafen, machte der deutsche Aussenminister von Anfang an deutlich, dass die drei – Deutschland, Frankreich und Grossbritannien – dem Iran die Atomtechnologie nicht zubilligen wollten. Deshalb sind wir der Auffassung, dass die andere Seite sich bewegen muss.

Euronews:
Russland hat einen Vorschlag unterbreitet, aber Sie haben mehr verlangt: Was erwarten Sie?

Mottaki:
Der vorgesehene Zeitraum, die für die Umsetzung dieses Vorschlags vorgesehene Zeit bedeutet, dass unser Ziel bleibt, schlussendlich in grossem Umfang Uran anzureichern, im Iran. Vorläufig sind wir zur Zusammenarbeit bereit. Wir sind bereit, mit anderen gemeinsam den nächsten Schritt zu machen, und dass ist die Herstellung von Nuklearbrennstoff in großem Umfang. Unser Ziel bleibt eine große Nuklearbrennstoff-Produktion im Iran. Aber da kann es eine zeitliche Verzögerung geben.

Euronews:
Meinen Sie nicht, dass iranische Aufrufe, Israel zu zerstören, Ihrem Streben nach dieser Technologie eher im Wege stehen?

Mottaki:
Das zionistische Regime hat bereits Atomwaffen auf dem Territorium Palästinas, und das stört anscheinend niemanden. Wir haben wiederholt erklärt, dass Atomwaffen in unserer Verteidigungsdokrtrin nicht vorgesehen sind, und vor allem haben wir betont, dass es uns aus religiösen Gründen verboten ist, Atomwaffen anzustreben.

Euronews:
Die USA und Europa sagen, sie stehen in einem Krieg gegen den Terrorismus.

Mottaki:
Wir sind bereit, mit den Europäern zusammenzuarbeiten und Meinungen auszutauschen, aber bedauerlicherweise befolgen die Europäer wegen der Lage in Nahost alle Anweisungen, die sie von den USA erhalten. Und die jüngste Entwicklung im Nahen Osten zeigt, dass die Auffassung der Europäer nicht richtig war.

Euronews:
Unterstützen Sie Hamas?

Mottaki:
Wir unterstützen das palästinensische Volk, und das war seine Wahl, also: ja, ganz sicher.

Euronews:
Und Hizbollah?

Mottaki:
Hizbollah ist eine Partei. Warum wollen die USA und Europa dem Libanon ihre Wünsche aufzwingen, warum wollen sie sich im Libanon einmischen.

Euronews:
Weil die USA und Europa im Krieg gegen den Terrorismus stehen.

Mottaki:
Wir betrachten die Gruppen, die für die Befreiung ihres Territoriums von der Besetzung durch das zioniostische Regime kämpfen, nicht als Terroristen. Wir sollten uns zusammensetzen und eine neue Definition von Terrorismus ausarbeiten. Der Iran war von Anfang an gegen die Taliban in Afghanistan, während die USA und ihre Verbündeten die Taliban in Afghanistan unterstützten.

Euronews:
Aber im Irak müssen Sie doch in gewisser Weise mit den USA zusammenarbeiten, denn sie verlassen sich dort beide auf die Organisationen der Schiiten.

Mottaki:
Wir sehen das irakische Volk als ganzes, wir wollen seinen Zusammenhalt: Schiiten, Sunniten, Kurden, Turkmenen, alle sind Iraker, das ist der Standpunkt, den wir im Irak unterstützen. Wir haben uns bemüht, die Bildung einer Regierung im Irak zu unterstützen, denn wir sind Nachbarn, wir gehören zu ein und derselben Region. Wir wissen, dass unsere Haltung richtig war. Und wir sind der Auffassung, dass die fortdauernde Besetzung des Irak für das irakische Volk von Nachteil ist. Sie ist auch schlecht für die anderen Staaten der Region. Die Besetzung ist schädlich für Sicherheit und Stabilität, vor allem im südlichen Teil des Irans.

Euronews:
Vielen Dank, Herr Minister.

Mottaki:
Ich danke Ihnen.