Eilmeldung

Eilmeldung

Geiselnahme in Frankreich: Arbeitsloser wollte über Probleme reden

Sie lesen gerade:

Geiselnahme in Frankreich: Arbeitsloser wollte über Probleme reden

Schriftgrösse Aa Aa

Nach dem unblutigen Ende der Geiselnahme an einer französischen Schule stehen die Betroffenen immer noch unter Schock. Ein 33-jähriger arbeitsloser Lehrer hatte am Donnerstag 21 Schüler und zwei Schulangestellte in einem Klassenraum fünf Stunden lang festgehalten und mit einer Schusswaffe bedroht. Nach Gesprächen mit Spezialisten der Polizei gab er schließlich auf.

“Er blieb ruhig und wir haben geredet”, erzählt eine Schülerin. “Wir durften unsere Eltern anrufen. Zuerst haben wir heimlich SMS geschickt aber dann hat er uns erlaubt zu telefonieren.” Auch ein anderer Schüler berichtet von einer ruhigen Atmosphäre während der Geiselnahme: “Er hat gesagt, er wolle uns nichts tun, er hat seine Waffe niedergelegt und wir haben mit ihm geredet.” Auf die Frage, über was sie gesprochen hätten, sagt er: “Über alles und nichts – darüber, was er mag, was wir mögen, über unsere Hobbies…” Der Lehrer war den Schülern bekannt, da er früher an der Schule gearbeitet hatte. Seit mehr als zwei Jahren war er arbeitslos – seine einzige Forderung war, mit dem örtlichen Bürgermeister seine persönliche und berufliche Lage zu besprechen. “Er hat große Probleme”, so Präfekt Stephane Bouillon, “er wollte reden. Die Verhandlungsstrategie bestand darin, dass wir ihn seine Probleme aussprechen ließen, damit er Vertrauen fasste und einsah, dass er eine große Dummheit gemacht hat und dass wir ihn festnehmen mussten.” Außerdem hieß es aus der Präfektur, man habe gewusst, dass der Mann depressiv sei – mit einem solchen Verhalten habe man aber nicht gerechnet.