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In Weißrussland finden an diesem Sontag Präsidentschaftswahlen statt.

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In Weißrussland finden an diesem Sontag Präsidentschaftswahlen statt.

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Richtige Spannung gibt es nicht. Niemand rechnet damit, das jemand anderer als der autoritär regierende Staatschef Alexander Lukaschenko gewinnt. In den vergangenen Tagen nahmen die Spannungen zu. Der Opposition wurde gedroht. Im Gespräch mit EuroNews äußert sich der weißrussische Botschafter in Brüssel, Vladimir Senko.

EuroNews: Kurz vor dem Urnengang: Wie ist so die Stimmung im Land, was geht in der Bevölkerung vor? Liegt Veränderung in der Luft oder ist alles so wie immer?

Senko: Natürlich ist die Situation anders als sonst, es steht eine wichtige Wahl bevor. Aber insgesamt ist die Lage im Land ruhig und stabil. Zur Erinnerung: Nach dem Ende der UdSSR hatte sich die geopolitische Situation unserer Region völlig verändert. Weißrussland ist dabei die einzige Ex-Sowjetrepublik, die während dieser Krisenperiode konstante Fortschritte gemacht hat. Vor allem konnte der Lebensstandard der Bevölkerung stetig verbessert werden. Das ist das Wichtigste. Es erscheint mir wichtig zu unterstreichen, dass bei aller Hitze des Wahlkampfes Präsident Alexander Lukaschenko über eine breite Unterstützung in der Bevölkerung verfügt. Das scheint eine logische Folge seiner Politik zu sein, vor allem seiner Wirtschaftspolitik, die er seit vielen Jahren verfolgt. Ich denke, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung absolutes Vertrauen in ihn hat.

EuroNews: Sie sind gleichzeitig Botschafter Weißrusslands bei der Europäischen Union, bei der NATO und in Belgien. Wie sehen Sie denn die Beziehungen Ihres Landes zu Europa?

Senko: Unser Verhältnis zur EU ist nicht einfach, aber das liegt nicht an uns. Wir haben ein Interesse an Beziehungen unter gleichberechtigten Partnern, die auch beiden Seiten Nutzen bringen. Das ist nur natürlich. Unsere Politik sieht folgendermaßen aus: Wir sind bereit ein gutes Verhältnis zur Europäischen Union aufzubauen, unter der Bedingung, dass es ein Verhältnis zweier gleichberechtigter Partner ist. Dabei lehnen wir die Einmischung in die inneren Angelegenheiten unseres Landes ab. Wir wollen nicht, dass uns vorgeschrieben wird, was wir zu tun und zu lassen haben.

EuroNews: In Weißrussland und anderswo kann man sich denken, wer die Wahl gewinnt. Aber dennoch Was wäre denn, wenn der Sieger nicht Lukaschenko hieße?

Senko: Ich will mich hier nicht als Orakel betätigen. Jede Präsidentschaftswahl kann für Überraschungen sorgen. Das kann auch bei uns passieren. Aber ich bin absolut sicher, dass das nicht geschehen wird. Denn das Volk kennt unser Wirtschafts- und Sozialprogramm. Die Menschen wissen, dass Korruption keinen Platz in unserer Regierung hat. Alle sind sehr ruhig. Deshalb sollte man nicht von Überraschungen sprechen, die die Situation radikal verändern könnten.

EuroNews: Schließen Sie denn Demonstrationen gegen das Wahlergebnis aus?

Senko: Ich schließe nicht aus, dass die Opposition zu Demonstrationen aufruft. Wenn das der Fall sein sollte, darf sie nicht die Grenzen, die Recht und Verfassung setzen, überschreiten. Dafür ist die Opposition verantwortlich.

EuroNews: Wie denken Sie über die Unterstützung Moskaus für Ihre Regierung?

Senko: Es stimmt, Russland ist ein guter Verbündeter. Aber die russischen Behörden mischen sich nicht in den Wahlkampf ein und unterstützen keinen Kandidaten direkt. Russland greift nicht in unsere inneren politischen Angelegenheiten ein.

EuroNews: Warum darf das staatliche russische Fernsehen RTR nicht über die Wahlen in Weißrussland berichten?

Senko: Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wovon Sie sprechen. Wenn es aber ein Verbot geben sollte, wird es dafür Gründe geben.

EuroNews: Dürfte EuroNews aus Weißrussland berichten?

Senko: Warum sollten wir dagegen sein? EuroNews wird bei uns gesehen und ist ausgesprochen populär.