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Die "coglioni"-Affäre: Wahlkampf in Italien

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Die "coglioni"-Affäre: Wahlkampf in Italien

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Aus einer verbalen Entgleisung von Regierungschef Silvio Berlusconi ist in Italien wenige Tage vor den Parlamentswahlen ein politischer Slogan geworden. Als “coglioni”, Vollidioten, hatte Berlusconi all jene bezeichnet, die ihre Stimme dem Mitte-Links-Bündnis um Romano Prodi geben wollten. Und siehe da: Prodiwähler erkennen sich inzwischen am coglioni-Sticker. Aufschrift: “Ich bin ein Vollidiot.” Will heissen: “Ich wähle Prodi”.

Genau das will Berlusconi aber verhindern. Wohl deshalb lässt er keine Gelegenheit aus, sich mit Sprüchen unter der Gürtellinie einen Platz in den Abendnachrichten zu sichern. Wie bei seiner Erklärung am Dienstag: “Ich schätze die Intelligenz der Italiener zu sehr, um zu glauben, dass es so viele Vollidioten gibt, die gegen ihr eigenes Interesse wählen.” Die Rechnung des Regierungschefs gehe nun einmal auf, sagen Journalisten wie Paolo Guzzanti, selbst Mitglied von Berlusconis Partei Forza Italia: “Wenn es heisst: ‘Oh Gott, hast du gehört, was Berlusconi wieder gesagt hat’, dann unterliegen Sie einer Manipulation und haben den Eindruck, etwas verpasst zu haben. Er ist ein Mann, der sein Publikum anspricht, der seine Wähler erreicht”. Diskreter lässt es Gegenkandidat Romano Prodi angehen. Während Berlusconi ihn als nützlichen Idioten bezeichnet, spöttelt Prodi nur amüsiert: Der Regierungschef halte sich an seinen Zahlen fest “wie ein Betrunkener an der Laterne”.